178 Eleanor A. McC. Gamble und Mary Whiton Calkins. charakterisiert wird durch einen angenehmen Komplex von Organempfindungen, die man etwa als Stimmung der Beruhigung oder Entspannung bezeichnen kann. Titcheneb lehrt, dafs da& Wiedererkennen nicht nur Organempfindungen, sondern auch reproduzierte Vorstellungen enthält; wogegen Külpe auf die asso¬ ziierende Funktion und nicht auf den assoziierten Inhalt des Wiedererkennens Gewicht legt; doch lehren beide, dafs die an¬ genehme Stimmung ein essentieller Faktor beim Wiedererkennen ist. Schliefslich gibt es eine dritte Theorie, die sich, ausgesprochen oder unausgesprochen, bei einer Reihe von Autoren der ver¬ schiedensten Richtungen findet.1 Nach dieser besteht das Wesen 1 cf. H. Münsterberg, „Grundzüge der Psychologie“, I, S. 221 ; W. James,. „Principles of Psychology“, I, S. 252. In den Anmerkungen S. 674—675 scheint James der LEHMANNSchen Theorie beizutreten, indem er von: „feit familiarity or sense that there are associates“ spricht. Wenn man dagegen alle seine Erörterungen zusammenfafst, ist man leidlich sicher, dafs er „in¬ articulate feeling of familiarity“ annimmt, indem er betont, dafs es wenigstens „a fringe of tendency toward the arousal of extrinsic associates“ gäbe. Die Theorie der Bekanntheitsqualität folgt logisch aus den Lehren von C. Ehreneels (Viertel] ahrsschr. f. luiss. Philos. 14, 1890, S. 249 ff., bes. S. 283), von A. Meinong (Zeitschr. f. Psychol, u. Physiol. 21, S. 182 ff.), von H. Cornelius ( Vierteljahrsschr. f. iviss. Philos. 16 u. 17, und „Psychologie als Erfahrungswissenschaft“) und von H. Ebbinghaus („Grundzüge der Psycho¬ logie“, I, S. 410 seq., 474, 481.). All diese Autoren erkennen, neben Empfin¬ dungen und Gefühlen, noch eine besondere Klasse von Bewufstseinserschei- nungen an. In diese Klasse schliefsen sie das Ahnlichkeitsgefühl ein ; und obgleich sie nicht speziell auf die „Bekanntheitsqualität“ verweisen, fällt sie sichtlich unter dieselbe Kategorie. Höeedings Auseinandersetzung mit Lehmann ist historisch ein wichtiger Faktor in der Behandlung des Gegen¬ standes. Höffdings eigene Theorie kann als zum dritten Typus gehörig betrachtet werden, und wenn dies geschieht, ist es kaum nötig, sie be¬ sonders zu erörtern ; sein Gebrauch des Ausdruckes Bekanntheits- qualität (Vierteljahrsschr. /'. miss. Philos. 13, 1889, S. 427) macht diese Deutung wahrscheinlich. Immerhin fährt Höffding fort, diese Bekannt¬ heitsqualität als hervorgerufen durch die Gegenwart von verschmolzenen und gebundenen Gedächtnis Vorstellungen zu erklären, ähnlich der „wieder¬ erkannten“ Wahrnehmung oder Vorstellung. Diese Erinnerungsvorstellungen, sind, wie er wiederholt betont, ausgenommen in gewissen Fällen von ver¬ zögertem Wiedererkennen, nicht unabhängig, sondern ziemlich eng „ver¬ bunden“ und „verschmolzen“ (Vierteljahrsschr. f. wiss. Philos. S. 438—446),. Wiederum spricht er von ihnen als blofs potentiell (Philos. Stud, 8, S. 87 ff.).. Aber wenn diese Erinnerungsvorstellungen nicht im Bewufstsein erscheinen, hat Höffding kein Recht, sie überhaupt Vorstellungen zu nennen. Sein Ge¬ brauch dieses Ausdruckes setzt ihn dem Vorwurf aus, dafs er alles Wieder-