Uber die Unterschiedsempfindlichkeit für gleichzeitige Töne. 97 Gröfse der Quarte und Quinte von durchaus musikalischen, ge¬ übten Personen nicht sicher unterschieden werden — ähnlich wie sich gegenüber aufeinanderfolgenden Tönen sehr Unmusi¬ kalische verhalten [Stumpe, Tonpsychologie I, S. 315 f.]. Tabelle V. Gegend des Intervall, bei dem die Unreinheit beginnt die Zweiheit deutlich wird (Contra-G) (~) (Tritonus — Kl. Sexte) Fis Ganzton Kl. Terz — Quarte d° Halbton Ganzton — Kl. Terz d1 91 i | Viertelton und weniger Halbton Viertelton — Halbton Dieses Verhalten hängt jedenfalls mit der weichen, dem musi¬ kalischen Ohre ungewohnten Klangfarbe der Stimmgabeln und Flaschentöne zusammen, die wir absichtlich wählten, um die Ver¬ hältnisse an möglichst einfachen Tönen zu studieren. Bei der Be¬ nutzung von Orgelpfeifen, bei denen der gröfseren Intensität wegen die Obertöne schon mehr hervortreten, konnte Stumpf, wie erwähnt, bereits die grofse Terz CE ohne weiteres als Zweiklang beurteilen, und noch gröfser als zwischen Gabeln und Orgelpfeifen ist der Unterschied zwischen den Gabeln und den Zungen des Harmo¬ niums in der tiefen Region. (In der Mitte der Tonskala hat sich nach dem oben Mitgeteilten ein erheblicher Einflufs der Klangfarbe auf die Grenzwerte nicht gezeigt.) So konnten Stumpf 1 und G. Enuel bei ihren Versuchen über Schwebungen und Zwischentöne am Harmonium Zusammenklänge wie E1 G1 und C Gis noch als Zweiklänge erkennen. Diese Urteile können nach dem Vorstehenden wohl nur als mittelbare, hauptsächlich durch die Unterscheidung der benachbarten Obertöne beider Klänge vermittelte, aufgefafst werden, obwohl sie sich auch uns bei gelegentlicher Wiederholung am HELMHOLTzschen mathemati¬ schen Harmonium mit dem Charakter der Unmittelbarkeit auf¬ drängten. 1 Tonpsyehologie Bd. II, S. 482 f. (Eingegangen am 17. März 1903.) Zeitschrift für Psychologie 32. 7