2 Johannes Volkelt. Es wird sich zeigen, dafs beide Formen der Einfühlung — die vermittelte und die unmittelbare — Vorkommen. Unter den vermittelnden Funktionen aber werden die niederen Empfin¬ dungen, und genauer: die Bewegungsempfindungen, in beson¬ derem Grade hervortreten. Neben den niederen Empfindungen werden sich auch, freilich nur in äufserst geringem Umfange, Gehörs- und Gesichtsempfindungen als Vermittlung innerhalb der Einfühlung ergeben. Sodann aber wird sich uns auch das Erfahrungswissen als ein vermittelndes Band heraussteilen. Und sowohl nach Häufigkeit wie nach sachlicher Bedeutung wird dem Erfahrungswissen eine hervorragende Stellung in dem Zu¬ standekommen der Einfühlung zuzuschreiben sein. Hauptsächlich indessen soll meine Aufmerksamkeit den niederen Empfindungen zugewandt bleiben. Ich will vor allem den Anteil genau ver¬ folgen, den diese auf den verschiedenen Gebieten an der Ein¬ fühlung haben. Zwei Bemerkungen müssen vorangehen. Will man die Bedeutung der Empfindungen für die Vermittlung der ästhe¬ tischen Einfühlung feststellen, so mufs zwischen den wirk¬ lichen und den nur vorgestellten Empfindungen unter¬ schieden werden. Es wird sich zeigen, dafs jene Vermittlung zwar in zahlreichen Fällen von wirklichen Empfindungen ge¬ leistet wfird, dafs aber die reproduzierten Empfindungen sich einer bei weitem gröfseren Verbreitung in der Einfühlung erfreuen. Sodann halte ich es für wichtig, dafs für die Behandlung unserer Frage die symbolische Einfühlung zunächst bei seite gelassen und nur die eigentliche, d. h. die gegenüber der mensch¬ lichen Gestalt sich vollziehende Einfühlung in Betracht gezogen wird. Ich habe aus den Erörterungen über die Einfühlung bei verschiedenen Schriftstellern den Eindruck gewonnen, dafs manches von dem, was darin schief und unklar ist, auf Rechnung des Umstandes kommt, dafs die eigentliche und die symbo¬ lische Einfühlung völlig ungetrennt oder doch zu wenig getrennt von einander behandelt werden. Ich will daher zunächst alle Verwicklungen, die durch den symbolischen Charakter der Ein¬ fühlung entstehen, fernhalten. 2. Ich fasse jetzt also allein die menschliche Gestalt ins Auge. Und zwar soll sie uns zuerst nur insoweit beschäftigen, als sie als sich bewegend vor uns hintritt oder doch, wie in der bildenden Kunst, den Eindruck des Sichbewegenden