289 Zur Theorie japanischer Musik. Von Max Metee. (Mit 1 Figur und 3 Musikbeispielen.) In einer anderen Abhandlung habe ich einige Experimente beschrieben, betreffend die Abhängigkeit der ästhetischen Wirkung ungewohnter Ton- und Akkordfolgen von der Erwartung anderer Ton- und Akkordfolgen.1 Es ging aus den Versuchen hervor* dafs, je mehr ein Individuum bestimmte Ton- und Akkordfolgen erwartet, auf sie vorbereitet ist, es um so unangenehmer berührt ist, wenn die tatsächlich gehörten Eindrücke andersartig sind; dafs jedoch diese Unlust verschwindet, sobald Gewöhnung an die neuen Eindrücke stattfindet ; und dafs dann, wenn die neuen Eindrücke gemäfs den psychologischen Gesetzen der Musik auf¬ gebaut sind, ein entschieden lustvoller Eindruck resultiert. Die Neuheit der damals zum Experiment benutzten musikali¬ schen Eindrücke bestand einfach darin, dafs beim Aufbau der Musik die psychologischen Gesetze zwar befolgt wurden, dafs aber darauf keine Rücksicht genommen wurde, ob Intervalle heraus kamen, die beträchtlich kleiner als ein temperierter Halb¬ ton sind. Der gewöhnliche Komponist mufs solche Intervalle von seiner Musik ausschliefsen, weil die europäischen Musikinstrumente im allgemeinen die Produktion solcher Töne nicht gestatten, und weil unsere Musik infolge ihrer historischen Entwicklung nun einmal solche Töne ausschliefst. Dagegen finden wir, dafs orien¬ talische Musik solche kleinen Intervalle nicht selten benutzt. Es liegt dann nahe zu fragen, ob es nicht möglich ist, mit hin- • * reichend genauer Übereinstimmung der theoretischen Be- 1 American Journal of Psychology 14 (3, 4); H all-Fest Schrift 1903. Zeitschrift für Psychologie 33. 19