216 Litera turberich t. einigung der verschiedenen geistigen Zustände anzunehmen, und eine solche ist nur möglich, wenn dieselben als- Zustände eines und desselben unteil¬ baren Wesens gedacht werden. Die Seele ist nach Art der Atome also ein einfaches reales Wesen, das zwar infolge seiner grofsen qualitativen Ver¬ schiedenheit nicht dieselben chemischen Vorgänge eingeht wie die Gehirn¬ atome, aber doch mit diesen in bestimmter Wechselwirkung steht, die an sich nicht geheimnisvoller ist als die zwischen den körperlichen Atomen untereinander. Der Geist ist nun ein System von Tätigkeitszuständen in diesem Seelenwesen. Indem nun mit diesen inneren Zuständen der Seele solche des Gehirns und des übrigen Körpers verbunden sind, und da sich innere und äufsere Zustände einander widersprechen, ist es erklärlich, wie die Seele durch Gehirn und Organismus zu wirken im stände ist. Diese Anschauung ist kein Dualismus im Sinne eines schroffen Gegen¬ satzes zwischen Leib und Seele, vielmehr besteht eine durchgängige Wechselwirkung zwischen leiblichen und geistigen Vorgängen ; die alledem Gesetze von der Erhaltung der Energie unterworfen sind. Daraus folgt dann schliefslich die persönliche Unsterblichkeit des Geistes. Moskiewicz (Breslau). L. Busse. Geist und Körper, Seele und Leib. Leipzig, Dürr, 1903. 488 S. Mk. 8,50. Das vorliegende, flott, mafsvoll und klar geschriebene, angenehm zu lesende, mit zahlreichen Literaturnachweisen versehene Buch beabsichtigt einmal allgemein über die verschiedenen in Bezug auf die Frage des Ver¬ hältnisses zwischen Physischem und Psychischem vorliegenden Standpunkte zu orientieren, sodann die eigene, aus seinen früheren Schriften bekannte Auffassung des Verf. möglichst sicher zu begründen und zu verteidigen. Zu diesem Zwecke bietet es zuerst (S. 12—61) eine nur als „entrée“ ge¬ meinte Widerlegung des Materialismus; dann folgt (S. 62—474) die „pièce de résistance“ unter dem Titel: „Psychophysische Wechselwirkung oder psychophysischer Parallelismus?“ Der psychophysische Parallelismus wird zunächst nach drei Gesichtspunkten eingeteilt: nach der „Modalität“ in empirischen und metaphysischen Parallelismus, nach der „Quantität“ in partiellen und universellen Parallelismus, nach der „Qualität“ in materia¬ listischen, realistisch-monistischen, idealistisch-monistischen und dualisti¬ schen Parallelismus; von diesen werden der empirische, der partielle und der materialistische Parallelismus als unechte, mit Inkonsequenzen be¬ haftete, entweder nichtssagende oder in den reinen Materialismus ver¬ laufende Formen ausgeschieden, und die anderen einer genaueren Prüfung unterzogen. Als Vorteile des Parallelismus werden die vollständige Währung der Rechte der Naturwissenschaft und die Ermöglichung einer wenigstens scheinbaren Versöhnung von Verstand und Gemüt anerkannt; diesen Vor¬ teilen wird aber ein langes Sündenregister (S. 129—379) gegenübergestellt. Was zuerst den metaphysischen Unterbau anbelangt, so seien weder die zur Erläuterung der realistisch-monistischenAuffassung verwendeten Bilder überzeugend, noch auch der Gedanke einer durch ein unbekanntes Drittes vermittelten, oder auch nicht vermittelten Identität zweier hetero¬ gener Erscheinungsreihen wirklich fafsbar. Nicht viel besser sei es um