171 (Ans dem Physiologischen Laboratorium der Kaiserl. Universität Charkow.) Beitrag zur Lehre des intermittierenden Lichtreizes der gesunden und kranken Retina. Von Dr. med. E. P. Braunstein, Privatdozent an der Kaiserlichen Universität Charkow. Einleitung. Jede Gesichtsempfindung klingt allmählich an, verschwindet nicht gleichzeitig mit der Ursache, durch welche sie hervor¬ gerufen worden ist, sondern bleibt im Auge noch eine Zeit¬ lang erhalten und klingt allmählich ab. Wenn wir z. B. einen beleuchteten Gegenstand ansehen und dann die Augen schliefsen, so sehen wir noch eine Zeitlang das Nachbild desselben. Es gibt positive und negative Nachbilder. Das positive Nachbild ist die Eortsetzung der durch den primären Reiz hervorgerufenen Netzhauterregung; das negative Nachbild ist, wie man annimmt, das Resultat der veränderten Erregbarkeit der Retina infolge der durch den primären Reiz hervorgerufenen Ermüdung. Bezüglich der Dauer des Nachbildes, seines Ent¬ stehungsortes und seiner Beziehungen zum primären Lichtreiz gibt es in der Wissenschaft noch keine festgestellten Gesetze. Das Nachbild ist kein einfaches, durch Verlängerung des Licht¬ eindrucks hervorgerufenes Produkt, sondern eine ziemlich kom¬ plizierte Erscheinung. Nach Brücke gesellt sich hier zu der abklingenden primären Netzhauterregung eine ganze Reihe von subjektiven, aufeinander folgenden positiven und negativen Nach¬ bildern hinzu. Alle Forscher stimmen darin überein, dafs auf die primäre Empfindung sehr rasch, ungefähr nach x/ö Sekunde, eine mehr oder minder lange sekundäre Empfindung folgt. In