Literaturbericht. 317 W. Seoter. Atlas nd flnudrifs der allgemeinen Diagnostik und Therapie der lerrenkrankheiten. Lehmanns medizinische Handatlanten 20. München, Lehmann, 1902. 379 S. 12 Mk. Die überwiegende Zahl der Erkrankungen des Nervensystems führt za Aufserlich sichtbaren und vielfach charakteristischen Veränderungen in Form und Konfiguration bestimmter Körperteile; diese Veränderungen sind natürlich bildlicher Darstellung zugänglich. Es liegt somit auf der Hand, d&fs das Studium der Nervenkrankheiten durch die Zuhilfenahme von Abbildungen wesentlich erleichtert werden kann. Diesem Bedürfnis dient der vorliegende Atlas, ln einer grofsen Zahl von Abbildungen, welche gröfstenteils dem reichen Material der Berliner Klinik, zum kleineren Teile dem der Hallenser Klinik entstammen, wird so ziemlich alles, was die klinische Neurologie an optisch Wahrnehmbarem bietet, vorgeführt. Die Bilder sind fast durchweg vortrefflich, die dar¬ gestellten Objekte höchst instruktiv und charakteristisch. Der Text beschränkt sich aus äufseren Gründen auf die Darstellung der allgemeinen Diagnostik. (Die spezielle Neurologie ist in der gleichen Sammlung schon von Jacob behandelt worden, der aber fast nur anatomische Abbildungen gebracht hat.) Die Diagnostik gliedert sich fast von selbst in vier Teile: Motilität, Sensibilität und sensorische Tätigkeit, Reflexerregbar- keit und Muskeltonus sowie schliefslich vasomotorische, trophische, sekre¬ torische und viszerale Störungen. Die Schilderung der motorischen Störungen zeugt von grofsem didaktischen Geschick; auch die anderen Abschnitte verbinden mit präziser Kürze reichen Inhalt. Der Abschnitt über Therapie beginnt mit der treffenden Bemerkung, dafs die Tätigkeit des Arztes nicht aufhört, wenn er einen Krankheitsfall als unheilbar erkannt hat, sondern dafs dann erst recht wichtige Aufgaben seiner harren. Gerade die Nervenkrankheiten, von denen ein grofser Teil unheilbar ist, stellen besonders grofse Anforderungen an die Tätigkeit und Fähigkeit des Arztes. Nach einigen kurzen Bemerkungen über die so wichtige Prophylaxe werden die therapeutischen Hauptfaktoren eingehend geschildert, und zum Schlafs wird deren Anwendung bei Rückenmarks-, Gehirn- und peripheren Erkrankungen allgemein besprochen. Ernst Schultze (Bonn). W. Grbam Stone and John J. Douglas. Hereditary Aphasia: a Family Disease of the Central Herrons System, due possibly to Congenital Syphilis. Brain 25 (99), 293-317. 1902. Die Verff. schildern eine Erkrankung, die in gleicher Weise bei 8 Mit¬ gliedern in 2 aufeinanderfolgenden Generationen einer Familie sich ein- stellte. Die Symptome waren jedesmal: Blasenschwäche, Anfälle von Aphasie mit rechtsseitiger Lähmung, Trübung der Glaskörper des Auges, Sensibilitätsstörungen, epileptiforme Anfälle, schliefslich plötzlicher Tod. Einer der Fälle ist anatomisch untersucht. Derselbe wird beschrieben. Die "Verff. glauben, dafs es sich um eine bestimmte, bisher nicht bekannte Er¬ scheinungsform hereditärer Syphilis handle. Schröder (Heidelberg).