Litera tarier ick t. 303 Wirkung vorausgehen müsse, tritt Verf. dafür ein, an dessen Stelle den Funktionsbegriff zu setzen, der darauf hinausläuft, die Abhängigkeit der einzelnen Merkmale einer Erscheinung voneinander zu bestimmen. Es bandelt sich also nur darum, für jeden Vorgang Bestimmnngsmittel aufzu¬ finden, durch die er eindeutig bestimmt ist. In der Naturwissenschaft lassen sich nun tatsächlich, wie Verf. an anderen Stellen ausführlich dar¬ getan zu haben glaubt, für jeden Vorgang solche eindeutige Bestimmungs¬ stücke nachweisen. Anders steht es — und das ist der Punkt, auf dem es hier ankommt — im Bereiche des psychischen Geschehens. Für kein psychisches Geschehen, so behauptet der Verf., lassen sich psychische Bestimmungsmittel auf finden, die es eindeutig festlegen. Nirgends läfst sich eine simultane Abhängigkeit geistiger Werte voneinander nachweisen. Keine Empfindung, keine Wahrnehmung wird eindeutig durch eine andere bestimmt. Auch eine sukzessive Abhängigkeit der psychischen Vorgänge voneinander besteht nicht, da im psychischen Leben überhaupt keine Stetigkeit vorhanden ist. „Das Seelische erweist sich durchgängig als un¬ stetig, diskret, mosaikartig.“ Somit gibt es auf geistigem Gebiete keine gesetzlichen Zusammen¬ hänge zwischen elementaren Bestimmungsmitteln. Nun sind wir aber davon überzeugt, dafs auch das geistige Geschehen eindeutig verläuft. Bei der Betrachtung aller individuellen und sozialen Entwicklung sehen wir feste Zusammenhänge, die in ihrer durch die Er¬ ziehung und Vererbung entstandenen Eigenart sich erhalten. Eine solche Stabilität komplexer Gebilde ist aber nur möglich, wenn alle ihre Kompo¬ nenten völlig eindeutig bestimmt sind. „Alles Denken setzt feste Zu¬ sammenhänge voraus: ohne sie gäbe es keine Identität und keinen Zu¬ sammenhang.“ Feste Zusammenhänge sind aber nicht möglich, wenn die einzelnen Teile, die in den Zusammenhang eingehen, unbestimmt sind, also müssen auch die geistigen Vorgänge eindeutig bestimmt sein. Verf. gelangt nun von diesen Voraussetzungen aus zu dem Schlüsse, der den eigentlichen Kern des Prinzipes des Parallelismus bildet. Können psychische Vorgänge durch andere nicht eindeutig bestimmt werden, müssen sie aber doch als bestimmt gedacht werden, so wird man zu der Annahme geführt, dafs sie insgesamt durch die eindeutig bestimmbaren physischen Vorgänge bedingt sind. Jeder psychische Vorgang mufs also einem physischen eindeutig zugeordnet werden. Moskiewicz (Breslau). H. A. Lorektz. Sichtbare and unsichtbare Bewegungen. Vorträge auf Ein¬ ladung des Vorstandes des Departements Leiden der Maatschappij tot Nut van 't algemeen im Februar und März 1901 gehalten. Unter Mit¬ wirkung des Verfassers aus dem Holländischen übersetzt von G. Siebert. Mit 40 eingedruckten Abbildungen. 123 S. Braunschweig, Vieweg und Sohn, 1902. 3,00 Mk. Der Vortragszyklus gibt in äufserst knapper Darstellung einen Über¬ blick über die Gesetze, Prinzipien und Theorien der modernen Physik. Unter der Knappheit leidet die Klarheit und Verständlichkeit in keiner Weise. Der Verfasser hat es vielmehr verstanden, seine Auseinander¬ setzungen in überaus eindringlicher und überzeugender Form zu geben