302 Litera turbericht. aussprechen, wenn er nicht vorher bestimmt hat, was unter „Quantum“ von Aufmerksamkeit zu verstehen iBt. Ähnliche unbewiesene und in ihrer vagen Unbestimmtheit unbeweisbare Allgemeinheiten begegnen überall, z. B. S, 71 der Satz, dais das Gehirn weniger variiert als die Muskeln, im 9. Kap. soll bewiesen werden, dafs das Genie sich vom Durchschnitts¬ menschen wenig unterscheidet. Der Beweis wird so geführt, dafs Shakes¬ peares Sonette mit denen seiner Vorgänger und Zeitgenossen verglichen werden, wobei sich zeigt, dafs Shakespeare als Sonettendichter nicht sehr originell ist. Ich Überlasse speziellen Kennern jener Sonettenliteratur das Urteil über das Spezialresultat. Hier will ich nur darauf hinweisen, dafs Herr Sp., der laute Verkünder der reinen Empirie, einen höchst unbestimmt gefafsten allgemeinen Satz durch ein einziges Beispiel bewiesen zu haben glaubt. Es ist bedauerlich, dafs die hier und da verstreuten besseren Ge¬ danken infolge der eigensinnigen Voreingenommenheit des Verf. nicht zu guter Durchführung kommen. Diese theoretische Verherrlichung einer angeblich reinen Erfahrung ist mit so viel ungeprüfter, d. h. unwissen¬ schaftlicher Theorie belastet, dafs man von ihr sagen mufs „spottet ihrer selbst und weifs nicht wie“. Auch die grofse Gelehrsamkeit des Verf. bleibt infolge seiner Einseitigkeit steril. Fast die ganze psychologiöche Literatur ist dem Titel nach angeführt, aus einer grofsen Reihe von Schrift¬ stellern sind Sätze polemisch zitiert — eine wirkliche Benutzung, Durch- denkung, Weiterführung fremder Resultate findet sich fast nirgends. J. Cohn (Freiburg i. B.). Joseph Petzold. Die Hotwendigkeit and Allgemeinheit des psychophysischen P&rallelismas. Archiv für systemat. Philosophie 8 (3), 281—337. 1902. Vorliegende Arbeit ist eine ausführliche Behandlung von bereits an anderen Orten niedergelegten Gedanken, mit gleichzeitiger Polemik gegen Angriffe, die die Ansichten des Verf. im Laufe der Zeit erfahren haben. Verf. steht auf dem Boden des Empiriokritizismus, wie er von Avenabius geschaffen worden ist. Die Grundgedanken seines Parallélismes sind folgende: Der psychophysische Parallelismus ist vor allem nicht metaphysisch zu fassen, etwa in dem Sinne, dafs Leib und Seele als Akzidentien einer Substanz gefafst werden, sondern baut sich allein auf Tatsachen auf. Er besagt, dafs das psychische Leben, in allen seinen Phasen eindeutig Vor- gängen des Zentralnervensystems zugeordnet werden mufs, wenn es über haupt begriffen werden will. In diesem Sinne und nur in diesem ist das Prinzip des Parallelismus allgemeingültig, nicht auch umgekehrt, dafs auch jedem physischen Vorgänge ein psychischer entspräche, was das Gebiet der Erfahrung verlassen und zum metaphysischen Parallelismus über¬ gehen hiefse. Eine solche eindeutige Zuordnung aller psychischen Vorgänge an physische ist nun aber auch notwendig, will man das Leben der Seele überhaupt verstehen. Die Naturwissenschaft läuft schliefslich darauf hinaus, alle physischen Vorgänge in einen kausalen Zusammenhang zu bringen. Unter Ablehnung des üblichen Ursachbegriffes, dafs die Ursache der