Literaturbericht. bOl teiltrag hinfällig und es entsteht ein völliger Monismus (cf. bes. § 200, S. 370). Dieser Monismus vollendet Bich dadurch, dafs nach Splllbr alle Empfindungen bei geeigneter Abschwächung in dieselbe Art unbestimmter Empfindungen, die er „Gefühle“ („feelings“) nennt, übergehen. Er sucht das durch geeignete Erfahrungen zu beweisen: Man senke die Augenlider, bis sie fast geschlossen sind, und sehe so auf ein umgekehrt gehaltenes Bild. Infolge des Verschwindens aller Einzelheiten ist dann die Tiefen¬ dimension verschwunden und die Dinge werden nirgend oder im Auge lokalisiert. Der Fleck („blur“), welcher weder Farbe noch Form oder räumliche Beziehung hat, erscheint eher als etwas Gefühltes denn als etwas Gesehenes (S. 53.) Wenn man diesen Versuch nachmacht, wird man leicht bemerken, dafs infolge der gezwungenen Stellung des Augenlids sich krampfartige Zuckungen in diesen einstellen, die das „Ge¬ fühlsartige“ an dem Eindruck sind. Man erkennt schon hier, dafs Spillbb das Wort „Gefühl“ („feeling“) nicht in dem seit Tbtkks und Kant eingebürgerten Sinne gebraucht, der auch in England und Frankreich heute als üblich gelten kann. Natürlich wird es ihm dann leicht zu beweisen, dafs Lust und Unlust keine Gefühle sind. Die Originalität liegt hier also in einer Verwirrung einer der wenigen wohl eingeführten Terminologien, die die Psychologie aufweisen kann. Übrigens sucht er die Bedeutung von Lust und Unlust herabzudrücken — sie seien nur nervöBe Störungen und keineswegs allgemein vorkommende Bestandteile des psychischen Geschehens (Kap. VI). Das psychische Ge¬ schehen ist vielmehr wesentlich Bedürfnisbefriedigung. Unter diesem Ge¬ sichtspunkt wird auch das Denken analysiert. Diese Analyse (Kap. IV) ist trotz einer gewissen Einseitigkeit wohl der wertvollste Teil des Buches und entschieden sehr beachtenswert. Insbesondere wird der Einfiufs des herrschenden Bedürfnisses auf den Gedankenverlauf im Gegensätze zu dem gewöhnlichen Assoziationismus betont. Recht gut wird der Anteil der fortlaufenden Assoziationen und des herrschenden Zweckes in dem Satze formuliert (S. 146): „Was im Denken folgen soll, mufs an irgend einem Punkte mit einigen Teilen dessen, was ihm vorangeht, Zusammenhängen, während doch die Tatsache seines Folgens nur das Resultat der Existenz eines Bedürfnisses ist, das nach Befriedigung verlangt.“ Allerdings, auch diese ganze biologisch teleologische Auffassung ist keineswegs neu — aber es bleibt nützlich, sie durchzuführen. Nur wird dabei sogleich auffallen, wie viel Theorie sich in die „Erfahrung“ mischt Mit der „Erfahrung“ nimmt es Sp. überhaupt nicht so genau, wie man es nach seinen Ankündigungen glauben möchte. Oder wie ist etwa der Satz, den er S. 60 als Überschrift des § 22 aufstellt: „Aufmerksamkeit ist im normalen Wachzustand bei allen Menschen zu allen Zeiten quantitativ gleich“ durch Erfahrung beweisbar? Sp. führt nur die bekannten Tat- Bachen an, dafs Verstärkung der Aufmerksamkeit mit Verengerung ihres Umfanges verbunden ist. Aber damit ist doch nicht gesagt, dafs ich nicht in frischem Zustand mehr und energischer aufmerksam sein kann als in ermüdetem oder dafs gar bei verschiedenen Personen diese Fähigkeit gleich entwickelt ist. Wer durch die wirkliche experimentelle Psychologie geschult ist, wird überhaupt einen derartigen Satz nicht einmal hypothetisch