394 Literaturbericht. bewegung der befriedigten Erwartung (Wundt) wird ebenfalls zurück¬ gewiesen. Verf. weist dann darauf hin, dafs die neuesten Theorien Spannungsempfindungen jeder beliebigen Art als ein wesentliches Element des Rhythmus annehmen. Er schliefst sich diesen Theorien an und er¬ klärt Rhythmus, d. h. die subjektive rhythmische Gruppierung der Empfin¬ dungselemente, als eine Urteilstäuschung, die durch begleitende Spannungs¬ empfindungen verursacht wird. Er berichtet über einige von ihm angestellte Versuche über den Einflufs von Gehörsempfindungen auf die (ungespannte) willkürliche Muskulatur. Der zweite Teil der Abhandlung berichtet über Versuche, aus denen hervorgeht, dafs Rhythmus — wie auch nach der erwähnten Theorie des Verf. zu erwarten ist — durchaus nicht auf Gehörsempfindungen beschränkt ist. Auf dem Gebiet der Gesichtsempfindungen bestehen ganz ähnliche Verhältnisse wie auf dem der Gehörsempflndungen. Der Unterschied ist kein qualitativer, sondern nur ein quantitativer, bedingt durch die ge¬ ringere Tendenz zu muskulärer Reaktion auf Gesichtsreize im Vergleich zu Gehörsreizen. Der dritte Teil enthält einen Bericht über Versuche betreffend die Reproduktion von Zeitintervallen, die durch verschiedenartige Reize be¬ dingt sind. Die Verschiedenartigkeit der Reize bedingte eine Verlängerung der reproduzierten Intervalle, namentlich wenn der erste Reiz eine Gesichts-, der zweite eine Gehörsempfindung war. Versuche über fortgesetzte Repro¬ duktion eines und desselben Intervalls ergaben eine Zunahme der Ge¬ schwindigkeit mit der Zahl der Wiederholungen. Die von Sbashorb auf¬ geworfene Frage, ob ein kurzes Zeitintervall langsamen Personen länger vorkomme als schnell arbeitenden, wird durch vom Verf. angestellte Ver¬ suche bejahend beantwortet. Der vierte und letzte Teil der Abhandlung diskutiert die Möglichkeit der Nutzbarmachung des Rhythmus unter Bedingungen des täglichen Lebens. Verf. gelangt zu dem Schlüsse, dafs langsame Personen durch rhythmische Reize wohl zu schnellerer Tätigkeit angeregt werden können, dafs geistig begabte Individuen dadurch jedoch gestört und aufgehalten werden. Max Metbb (Columbia, Missouri). Christo Pentschrw. Uateriuchiigen mr Ökonomie und Technik des Lernens. Archiv für die gesamte Psychologie 1 (4), 417—526. 1903. Nachdem Lottie Steffens festgestellt hatte, dafs ein Erlernen im ganzen in kürzerer Zeit stattfindet, als ein Erlernen in Teilen, fragte Pentschew sich, „1. ob das Lernen im ganzen tatsächlich dasjenige Verfahren sei, welches mit geringerem Aufwands an Arbeit und Zeit zum Ziele führe; 2. ob es auch hinsichtlich des Behaltens günstiger sei, als das fraktionierende Lernverfahren ; und 3. welches die psychologischen Ursachen der gröfsten möglichen Ökonomie dieses Lemverfahrens seien.“ Jede der Versuchsreihen des Verf.s, die er der Beantwortung dieser Fragen widmet, enthält Versuche mit sinnlosem und sinnvollem Material.