294 Literaturbericht ist ebenso lückenhaft und unklar, wie diejenige ihrer psychologischen Be¬ deutung. Irgend eine wissenschaftliche Bereicherung oder Anregung bietet das im üppigen Phrasenstil geschriebene, schön ausgestattete Werk Lefèvbbs nicht. von Schbenck-Notzing (München). O. Foebsteb. Ein Fall von elementarer allgemeiner Somatopsjchose (Aftanktlon der Somatopsyche). Monatsschr. f. Psychol, u. Neurol. 14 (3). 1903. Foebsteb demonstriert in dieser Mitteilung eine interessante Patientin, an deren Krankengeschichte in gewandter Weise die Störungen in der Funktion der Somatopsyche analysiert werden. Foebsteb basiert hier hauptsächlich auf die bekannten Lehren Wbbnikes (cfr. sein Grundrifs der Psychiatrie I. Teil) die zum teil im nämlichen Sinne durch Stobch eine Erweiterung erfahren haben. Die krankhaften Symptome des betreffenden Falles finden beredten Ausdruck in der Klage der Patientin: „ich bin nicht mehr, ich fühle nichts mehr; oder „zum Sehen mufs man den Kopf fühlen; ich fühle ja meine Augen gar nicht; es ist, als ob dieselben gar nicht hinreichten.“ Dieses ausgesprochene Insuffiziens¬ gefühl, das in seinem höchsten Stadium Ratlosigkeit und damit verbunden Angstparoxysmen auszulösen imstande ist, erklärt sich nach Verf. durch den Verlust der Organgefühle und ihrer einzelnen Komponenten — so besonders der myogenen Komponente. Die Summe der Organgefühle und ihrer Erinnerungsbilder setzen das Bewufstsein des eigenen Körpers zusammen — die Somatopsyche. Aus eben dieser Aufhebung der Funktion erklärt sich auch die höchst interessante eigentümliche Störung im Wahrnehmungsprozefs: die Dinge der Aufsenwelt werden von der Patientin nur nach ihrem rein sinnlichen Inhalt aufgenommen, während alle jene Vorgänge ausgefallen sind, die das „ich“ subjektiv dem Objekte gegenüberstellen. So erklärt sich — nach Foebsteb — die Klage der Pat., dafs sie Personen und Gegenstände nicht mehr erkenne, dafs alles anders sei wie früher, dafs sie nicht mehr die geringste Vor¬ stellung von Personen und Gegenstände besitze, obwohl objektiv auf keinem Sinnesgebiete der geringste Ausfall nachzuweisen ist, und obwohl die Erinnerungsbilder mit erstaunlicher Schärfe erhalten sind. Eine engere Analyse des Defektes im Wahrnehmungsakte deckt das Fehlen des „Realitäts¬ gefühles“ und den Mangel an Gefühlsbetonung auf. Die Lebhaftigkeit der einzelnen Vorstellungen sind bei der Pat. „bis zu dunklen Schatten ge¬ schwunden.“ Endlich wird als ein drittes auffallendes Krankheitssymptom an dem „Falle“ besprochen: der Vorstellungszwang, d. h. die zwangsweise auf tretenden Bemühungen, sich Vorstellungen über gewisse Dinge zu ver¬ schaffen. Die Zwangsphänomene sind nach Foebsteb als eine Reaktion aufzufassen, die in der Pat. entsteht auf die unangenehme Empfindung der Lücken des Vorstellungslebens. Die ganze Ausführung F.s ist als ein geschickt durchgeführter Versuch zu betrachten, die Vorstellungen Webnikes über das Bewusstsein der Körperlichkeit an klinischem Materiale zu erläutern. Mbbzbacheb (Freiburg i. B.).