464 Literaturbericht. das Bild und es konnte daraus auf die Schwingungsvorgänge an der Mem¬ bran geschlossen werden. Als Schallquelle funktionierte entweder ein Harmonium oder eine Serie anblasbarer Flaschen. Ein Resonator vor dem Gehörorgan verstärkte den gewünschten Ton. Der Musculus tensor tympani war freipräpariert und an seiner Sehne ein Faden mit Gewicht befestigt, so dafs die Spannung des Trommelfells verändert werden konnte. Die Versuche wurden nun in der Art ausgeführt, dafs ein bestimmter Ton erzeugt und alsdann die Spannung des Tensor so lange variiert wurde, bis das Trommelfell auf den betreffenden Ton ansprach. Es zeigte sich, dafs das Trommelfell in diesem Falle auch noch auf andere Töne als auf diesen einen (Grund-) Ton ansprach, und zwar auf dessen Obertöne, aufser- dem auf seine Quint, Quart, grofse Sext und die untere Quint (2/3). Versuche mit dem Harmonium ergaben, dafs die Membran in einem bestimmten Spannungszustand auch auf die Terz reagiert, stärker aber auf Quart und Quint. Versuche, eine Beziehung zwischen den Spannungen des Tensor und den Tonhöhen, auf die das Trommelfell anspricht, herzustellen, zeigten, dafs wenn die Spannung in arithmetischer Reihe zunimmt, die wirksame Schwingungszahl in geometrischer Progression steigt. Da Verf. die Folgerungen, die er für das Hören aus seinen Versuchen zieht, zunächst nur ganz kurz angibt und eingehendere Behandlung in Aussicht stellt, verzichte ich darauf, sie schon jetzt hier zu erwähnen. W. A. Nagel (Berlin). Kristian B.-R. Aars. Kotes sur raUenticn. Année psychol. 8, 215—220. 1902. Die kleine Notiz beabsichtigt, gegenüber den verschiedenen Erklärungs¬ versuchen der Aufmerksamkeit, nachzuweisen, dafs ihr Wesen in der Er¬ wartung bestehe. Die gesteigerte Klarheit der Empfindungen und Vor¬ stellungen ist erst eine sekundäre Folge der Erwartung. W. Stern (Breslau). Zahn. Eine merkwürdige Gedächtnisleistung in einem epileptischen Dämmerungs- znstande. Allgem. Zeitschr. f. Psychol. 1903. Bei einem Epileptiker, der in der RiEGERschen Klinik beobachtet wurde, konnten öfters an den „Anfallstagen“ eigenartige allotropische Bewufstseins- zustände beobachtet werden, die die Zwischenzeit zwischen den einzelnen Attacken in diesen Anfallsserien ausfüllten und in denen der Patient lange Predigten hielt. Die Predigten waren immer Leichenreden und galten bald dem Tode eines Kindes, bald dem eines Jünglings oder eines Erwachsenen. Der Kranke, ein einfacher Landmann, der sonst einen unverblümten Dialekt spricht, nimmt dabei einen salbungsvollen Ton an und redet in wohl¬ gesetztem Hochdeutsch. „Das Pflegepersonal hört dann allemal ganz an¬ dächtig dem Manne mit dem „Morbus sacer“ zu.“ Zuweilen wird Patient in seinem Predigen von einem Anfalle unterbrochen, er fährt dann später in dem angefangenen Satze richtig fort. Er deklamiert auch lateinische Gebete und Lieder in diesen Attacken, die er in normalem Zustand nur teilweise und mit gröfster Mühe herzusagen vermag. Von seinem Tun und Reden