236 Literaturberich t. bedingungen. Es zeigt sieh Merl» ein.© gewiss© geistig® Faulheit, ein Streben nach dem ,moindre effort*. Die Nichtwollungen haben bisweilen auch ihren Grund in der Abwesenheit von starken und beständigen Be¬ gehrungen, so in der Abulie. Wie die Nichtwollung di© Möglichkeit einer Aktion in sich schliefst, der sie widerstrebt, so setzt die Negation ©In© Affirmation voraus. Wie diese braucht auch die konträre Affirmation nicht formuliert zu werden, damit die Negation zutage tritt. Schon die Möglichkeit einer Synthese genügt, damit der Geist den objektiven Wert derselben leugnet. Di® Negation tut jedoch mehr, als daft sie nur eine formulierte Synthese zurück weist, sie verhindert die Objektivierung, Verallgemeinerung derselben, ähnlich wie die Nichtwollung der Realisierung eines Planes, der Befriedigung einer Tendenz Hindernisse in den Weg legt. Die Klassifikation und die induktive Methode schreitet durch Negation vorwärts, indem sie verschiedene Möglichkeiten und Hypothesen aufstcllt und von ihnen nur diejenigen festhält, welche ihr richtig und wahrscheinlich dünken. So gelangte Linné durch Negation zu der Klasse der Würmer und vereinigte daselbst Tiere, welche keine wesentlichen Eigenschaften gemein¬ sam haben, Die Negation würde nicht existieren, wenn die Nichtwollung, di© Tab sache der Verhinderung bestimmter Bewegungen, Akte, Pläne nicht auf natürlich© Weise in uni entstünde als Folg© unserer Abneigungen. Eine Art der Negation, welche man selten formuliert findet, welch® aber einen grofsen Einflufs auf das menschlich© Denken besitzt, ist das Prinzip des Zurückweisens alles dessen, was unsymmetrisch, unordentlich und unkoordiniert ist. Die krankhaft© Zweifelsucht ist ein Mittelding zwischen Wollung und Nichtwollung, sie bildet die Übertreibung des momentanen Zustandes de® Zweifels. Giessi.kh (Erfurt). P. Nakckk. Zar Physio-Psychologie 1er Todezstuiie. Archiv für Kriminal- Anthropologie und Kriminalistik 12, 287—308. 1908. Verf. hat es sich angelegen sein lassen, ein© gröfsere Anzahl von Momenten zu sammeln, welche sich auf di© körperlichen und seelischen Vorgänge eines sterbenden Menschen während dessen letzter Lebensstundo beziehen. Es ist dies um so dankenswerter, als wir darüber bisher noch, so wenig wissen. Einige besondere interessante Punkte darin seien Mer hervorgehoben : Die kurz vor dem. Tod© eintretende Bewufstsemstrftbung kann ver¬ schiedener Art sein. Entweder sie besteht in einem trau unartigen Zustande» innerhalb dessen der Sterbend© nur hin und wieder ©inen klaren Augen¬ blick hat, oder der Sterbende ist sich voll bewufst, vermag aber vor Schwäche nicht zu sprechen, noch sich zu rühren, oder er deliriert, träumt laut scheinbar Unzusammenhängendes. Es ist wahrscheinlich, dafs, wie all© Empfindungen, Sinne und Organe vom Komplizierteren immer mehr und mehr zum Einfacheren absterben, so auch hier die jüngsten Gedächtnis- schichten schwinden und frühere Jugenderinnerungen wieder auftauchen*