Literaturbericht 217 die Licke wieder klafft zwischen dem, ewigen Allgemeinbewufstsein (der früheren Materie) und dem. zeitlich entstehenden Einzelbewufstsein? daf» die Entstehung des letzteren genau dieselbe Schwierigkeit nur mit anderen Worten wiederbringt? dafs überhaupt diese ganze Umdeutung der Materie ein blofses Spiel mit Worten ist?“ (1899'. Und weiter: „Kann man das Körperliche Überhaupt wegdekretieren? Sind Erscheinungen ein absolutes Nichts, sind Ausdehnung, Gestalt, Farbe nun wirklich ganz aus der Welt verschwunden? Wenn nicht, wo bleibt der Monismus? . . . Und sind wir nas, aufrichtig gesprochen, über das Verhältnis jetzt klarer wie vorher? Warum mufs denn das Wesen überhaupt erscheinen und so verschieden von. sich selbst erscheinen?“ (1903). Dem Bef. kommt es vor, als ob der Verf. die Wehrmittel der Partei, welch© er bekämpft, doch etwas unter¬ schätzt hätte. Er gestattet sich zu bemerken : zum ersten, dafs in der Tat die vorübergehende Absonderung von Einzelbewufstseinen aus einem Gesamtbewufstsein (wie wir sie täglich bei jeder Konzentration der Auf¬ merksamkeit, viel ausgesprochener aber im hysterischen Krankheitsbilde feststellen können) bedeutend weniger unbegreiflich ist als eine Entstehung des Bewufstseins aus einer rein physischen Materie; zum zweiten, dafs die physischen Erscheinungen gewifs „etwas“ sind, nämlich Wahrnehmungen in menschlichen und tierischen Bewufstseinen, dafs sie aber eben dadurch sowohl mit ihren gleichfalls als psychisch vorausgesetzten äufseren Ur¬ sachen, wie mit allen direkt gegebenen psychischen Prozessen sich Einem Begriffe subsumieren; und zum Dritten, dafs das Verhältnis zwischen Wesen und Erscheinung sich vollständig demjenigen zwischen Ursache und Wirkung unterordnet, und demnach genau so klar oder unklar ist wie dieses, dessen nun doch einmal keine Theorie entraten kann. Heymans (Groningen). Th. Ziehen. filer die allgemeinen Beziehungea zwischen Gehirn und Seelen¬ leben. Leipzig, J. A. Barth. 1902. 66 S. Nach einer ausführlichen, manches Neue bringenden Übersicht der historischen Entwicklung des im Titel der vorliegenden Schrift genannten Problèmes, werden die wichtigsten Lösungsversuch© vorgeführt und einer kritischen Besprechung unterzogen. Dieselben werden in dualistische und monistisch© ©ingeteilt; der ersteren Grupp© werden der reine (rea¬ listische) Parallelismus und di© Wechselwirkungslehre, der zweiten der Materialismus, der Spiritualismus und der Idealismus zugerechnet. Dem reinen Parallelismus wird hauptsächlich die Kürz© der psychischen im Vergleich mit der physischen Erscheinungsreihe, welche sich nur durch die mit einem inneren Widerspruch behaftete Annahme eines Unbewufst- psychischen verhelfen lasse —, der Wechselwirkungslehre die Geschlossen¬ heit der Gehirnkausalität entgegengehalten ; der Materialismus scheitere m der Unbegreiflichkeit der Entstehung psychischer Prozesse aus materiellen Ursachen, und über die Aussichtslosigkeit aller spiritualistischen Versuche seien kein© Worte zu verlieren. Ebensowenig wie diese, seien aber auch einig® blofs scheinbar-monistische Theorien (Spinoza, Spencer, Fichhrr), welch© statt Beweise nur verlockend© Vergleiche bieten, dazu geeignet, über die vorliegende Frage Licht zu verbreiten. So bleibe