lÂteraturbericht. 159 schaft. Den Ausgangspunkt seiner Ausführungen bildet das Verhältnis zwischen Religion und Wissenschaft. Durch wissenschaftliches Denken und mit wissenschaftlichen Mitteln ist niemals Religion hervorgebracht, genährt und bewahrt worden. Theologie ist insofern Wissenschaft, als ihr Erkenntnisverfahren und dasjenige in allen anderen Wissenschaften ge¬ meinsame Züge aufweist. Die Erkenntnis der Formen des religiösen Lebens und deren Zusammenhang untereinander und mit anderen Formen des subjektiven Lebens ist die Aufgabe der theoretischen Religionswissenschaft. Ähnliches gilt von der Ethik als Wissenschaft. Aufgabe aller wissenschaft¬ lichen Ethik kann nur sein, die Formen, nicht auch die Inhalte des sitt¬ lichen Lebens zu erforschen. Nach einer Besprechung des Grundgedankens der Ethik Kants zeigt der Verf., dafs weder aus den landläufigen sittlichen Urteilen noch aus dem Begriff der sogenannten sittlichen Güter das Wesen der Sittlichkeit erschlossen werden kann. Die Sittlichkeit des Handelns ist nur aus dem diesem zugrunde liegenden guten Willen (Gesinnung) herzuleiten. Mafs- gebend ist der Ausgangspunkt, nicht der Zielpunkt des Willens. Ob die Handlung zugleich einen erstrebten äufseren Erfolg hat, ist keine Frage der Sittlichkeit mehr. Der innere Erfolg der als sittlich zu bezeichnenden Handlung besteht in einer Rückwirkung auf den Willen. Aus jeder Pflicht¬ erfüllung ergibt sich ein Zuwachs zu dem vorhandenen Tugendbesitz. Der immanente Zweck alles sittlichen Handelns ist die zunehmende Versittlichung des eigenen Charakters. Der Verf. erörtert sodann den Begriff des sittlich Erlaubten und unter¬ sucht die Frage nach der Entstehung der wirklichen Sittlichkeit im menschlichen Gemeinschaftsleben. Zwei direkt wirkende Gründe sind es, aus denen die Entstehung der Sittlichkeit zu erklären ist : der Einflufs der Erziehung und der Einflufs des sittlichen Vorbildes. Die Ursachen, welche die Sittlichkeit bewirken, fafst der Verf. unter dem Begriffe der moralischen Gesetzgebung zusammen. Den Schlnfs der Abhandlung bilden Ausführungen über die Bedeutung der Ideale des Lebens für die moralische Gesetzgebung und den Fortschritt der Sittlichkeit von niederen zu höheren Stufen. Saxinger (Linz). N. vaschige et P. Rousseau. Études experimentales sir la tie mentale des animaux. Revue scientifique 10 (24), 787—744; (25), 777—782. 1903. Mit Recht heben die Autoren hervor, dafs die früher und auch jetzt noch öfter beliebt© Methode, Tierpsychologie in der Weise zu treiben, dafs man anekdotenhafte Berichte über merkwürdige Leistungen des Tierver¬ standes sammelt, keine Wissenschaft sei. Das einzig Richtige ist es, Experimente von bestimmten Gesichtspunkten aus anzustellen, etwa in der Art, wie Thorndike (Animal intelligence; Ser. of Monogr. Suppl, of Psychol. Mew. 2 (4), 1898) es getan hat. Dieser Autor sperrte Katzen, Hunde und junge Hühner in Käfige, während sie sich im Hungerzustande befanden, und stellte dann aufserhalb der Käfige, deren Verlassen möglich, aber mehr oder weniger schwierig gemacht war, Nahrungsmittel als Lockspeise auf.