158 Literaturberich t. druck schärfer gefafst worden. Man fühlt, wie Bücher Einwände und Beobachtungen fortarbeitend benutzte. So ist S. 52—56 die Einteilung der Arbeitsgesänge viel feiner durchgeführt und tiefer begründet als in der ersten Auflage, auch S. 343 348 ist vieles neu: so insbesondere die physiologische Erklärung der Arbeitslaute bei schwer arbeitenden Menschen als Expirationslaute, die Bücher von Dr. F. Oppenheimer mitgeteilt wurde, und die genauere Ausführung der Stufenfolge, in der sich nach Bücher« Ansicht die Poesie allmählich von der Arbeit losgelöst hat. Ob man es für bewiesen hält, dafs in der energischen rhythmischen Körperbewegung, die wir Arbeit nennen, die aber bei Naturvölkern von anderen spiel- und tanzartigen Bewegungen nicht scharf gesondert werden kann, allein der Ursprung der Poesie und Musik zu suchen ist, davon hängt der Wert des vorliegenden Werkes keineswegs ab. Eine wichtige Entwicklungsreih© ist sicher auf gezeigt — ob noch andere daneben bestehen, mögen weitere Forschungen lehren. Dem Psychologen liegt gegen die Be¬ hauptung, dafs der Rhythmus primär dem motorischen, erst sekundär dem akustischen Gebiet an gehört, ein Einwand nahe: wir hören doch auch in. objektiv nicht rhythmisierte Schallfolgen subjektiv einen Rhythmus hinein. Aber der Motoriker könnt© hier auf begleitende Taktierbewegungen hin- weisen, deren gänzliches Fehlen bei solchem Hineinhören schwer zu be¬ weisen sein wird, ja im allgemeinen unwahrscheinlich ist. Cohn (Freiburg i. B.). Windt. Über Daktyloskopie. Archiv f. Krim.-Anthropol. u. Kriminalistik 1*2, 101—123. 1903. Di© Fingerabdrücke sind verursacht durch die sog. Papillarlinien, welche die Hand und namentlich die Finger bedecken. Sie bilden an den sog. Beeren der Finger ganz bestimmte Muster, welch© beim Menschen zeit¬ lebens dieselben bleiben, wenn sie auch natürlich beim Erwachsenen gröfsere Dimensionen zeigen als beim Kinde. Auch bei den Mumien bleiben sie noch erhalten. Man kann daher nach den Fingerabdrücken, welche bei allen Menschen verschieden sind, ev. einen gewissen Menschen später durch Vergleichung der Fingerabdrücke wieder erkennen. Der des Schreibens unkundige Türke trägt einen mit Sepia oder Tinte benetzten Schwamm bei sich, um mit dem benetzten Zeigefinger der rechten Hand ev. seinen Fingerabdruck unter eine Urkunde zu setzen. In gewissen Gegenden, z. B. in Indien, verlangen die Behörden neben der Unterschrift noch ©inen Fingerabdruck, da erster© gefälscht sein kann, letzterer nicht. In England werden seit Jahresfrist die Fingerabdrücke gewisser Verbrecher abgenommen und registriert zwecks späterer Wiedererkennung. Vor der Bertillonierang hat die Daktyloskopie eine Menge Vorzüge. W. glaubt, dafs man ihr bald allerorts vor der Anthropométrie den Vorzug geben wird. Umffknbach. O.Ritschl. Wissenschaftliche Ethik und moralische Gesetzgebung. Grundgedanken einer Kritik der gegenwärtigen Ethik. Tübingen und Leipzig, J. G. B. Mohr (Paul Siebeck). 1903. 43 S. M. 1,00. In der vorliegenden Abhandlung wendet sich der Verf. gegen die Auffassung der Ethik als einer praktischen oder genauer einer Normwissen-