Literaturberich t. 155 dagegen nur 13 von 41 Mädchen für Rückgabe des Geldes. Verf. führt aus, dafs die schriftlich niedergelegten Antworten der Kinder nicht ohne weiteres beweisen, wie die Kinder in Wirklichkeit gehandelt hätten, sondern nur leigten, was sie unbeeinflufst nach reiflicher Überlegung für richtig hielten. Die Verschiedenartigkeit der Motive, die für die einzelnen Kinder bei ihrer Stellungnahme mafsgebend waren, und die dabei zutage tretende Unkenntnis eines so wichtigen Rechtsgrundsatzes werden Strafrichter, Pädagogen und Verwaltungsbeamte interessieren; für den wissenschaft¬ lichen Psychologen ist das Ergebnis der sorgfältigen Untersuchung wiederum ein Beweis dafür, dafs eine geschickt gestellte Klassenaufgabe ein vorzüg¬ liches Mittel zur Erforschung des kindlichen Seelenlebens abgeben kann. Pappenheim (Gr.-Lichterfelde). Büpbat, Stüde sir le Mensonge. Bulletin de la société libre pour l’étude psychologique de Venfant 2 (9), 220 229. 1902. Die Société libre pour l’étude psychologique de l’enfant hat eine Enquête veranstaltet über die willkürlichen und unwillkürlichen Ent¬ stellungen der Wahrheit bei Kindern. Das Kind bildet, so meint der Verf., für eine derartige Enquête das geeignete Objekt. Bei Erwachsenen bliebe ein. solches Verfahren aussichtslos, weil einerseits die Tatsache der Lüge selbst schwer zu konstatieren ist, da hier die subjektive Interpretation von Ereignissen eine Rolle spielt, andererseits die psychologische Grundlage einer falschen Aussage wegen der Mannigfaltigkeit der Möglichkeiten kaum ii eruieren ist. Viel einfacher und durchsichtiger sei die Sachlage beim Kinde. Ungefahr 250 Antworten sind aus den meisten Teilen Frankreichs, lieh aus Algerien, eingegangen und zwar fast ausnahmslos von Lehrern md Lehrerinnen. Die Schwierigkeit der Beurteilung des vorliegenden Materials liegt einerseits nach der Ansicht Düpbats in dem Umstande, dafs die Gewährsleute in der Beobachtung nicht geübt genug sind, man liest in den Antworten zuviel unnötige Bemerkungen, die bestimmte Darlegung der nackten Tatsache mit den wesentlichen Details fehlt. Andererseits haftet der vorliegenden Statistik der Mangel an, der jeder psychologischen Statistik eigen ist: die beobachteten Tatsachen sind nicht psychologisch gleichwertig, man hat kein homogenes Material und man darf nicht von vornherein annehmen, dafs di© Tatsachen der Lüge sich annähernd mit einer solchen Regelmäfsigkeit ändern, wie etwa di© Ziffer der Geburten, der Sterbefälle oder Selbstmorde. Angesichts dieser Schwierigkeiten beschränkt sich der Verf. darauf, auf Grund des vorliegenden Materials eine Klassifikation zu geben ohne Angabe von Zahlen. Diese zerfällt in eine Klassifikation der Lügen, der Lügenden, der psychologischen Ursachen und der sozialen Ursachen der Lüge. Diese blofse Klassifikation hat offenbar keinen Wert. Man könnte auch ohne di© Statistik a priori eine Tabelle aufstellen, in der die ver¬ schiedenen Arten der Lüge usw. verzeichnet werden. Jedoch verweist der Verf. in bezug auf weitere Details auf eine demnächst erscheinende Studie. Zum Schlufs betont der Verf. die Notwendigkeit der absoluten Be¬ kämpfung jeder Art der Lüge, durch die Erziehung zur Liebe zur Wahrheit und zum Hafs gegen alles Falsche. Weiss (Gr.-Lichterfelde).