126 Litera turbericht. Neues bringen, doch eine willkommene Ergänzung der üblichen Behänd* lungsweise des Geschmackssinnes in den Hand- und Lehrbüchern bilden. Kapitel über den Geschmack vom psychologischen Standpunkt be¬ trachtet und über die Störungen des Geschmackssinnes beschliefsen das Buch. Bezüglich der Abbildungen scheint das Prinzip der Sparsamkeit zu herrschen, denn die nicht sehr zahlreichen Figuren sind in einfachster Form gehalten, ohne dadurch an Wert und Anschaulichkeit zu verlieren. W. A. Nagel. W. McDougall. The Physiological Factors if the Attention-Process. II. u. HI. Mind. N. S. 12 (47), 289—302 ; (48), 473—488. 1903. Zwischen dem tiefsten Schlaf als Zustand absoluten Mangels der Auf¬ merksamkeit und angespannter Erregtheit als dem Zustand höchster Auf¬ merksamkeit liegen Übergangsstufen als Zustände zunehmender Aufmerk¬ samkeit. Diese Stufenfolge läfst sich am leichtesten beobachten beim Über¬ gang aus dem Schlaf in den Wachzustand, wenn ©r hervorgerufen ist durch, anhaltende aber schwache ungewohnt© Gehörsreize. Zunächst gibt Verf. davon ©in© rein psychologische Beschreibung. Die vier Faktoren, welch© das Erwachen herbeiführen, sind jene schon erwähnten Sinnesreize, dann Muskel¬ bewegungsempfindungen hervorgerufen von Körperbewegungen, welche mit ziellosen, nur halb bewussten Lagenveränderungen beginnen und mit voler Aktivität des Körpers enden, eine wachsende Reihe von Vorstellungen, indem das Geräusch erkannt, beurteilt und geeignet© Entschlüsse gefafst werden, endlich entsprechende Gefühle. Zu dieser psychologischen Dar¬ stellung liefert Verf. vom Standpunkte der Neuronentheorie das physio¬ logische Gegenstück. Die Neuronen der zuleitenden (zentripetalen) Hälft© des Nervensystems bilden das gemeinsame Energiereservoir. Sie liefern Energie, Neurin, wenn durch äufseren Reiz ihr© Spannkraft frei gemacht wird, nicht blofs für sich, sondern auch für die Zentren und das aus- leitende (zentrifugale) Nervensystem. Beim Schlafenden wurden nun durch die ersten Sinnesreize nur die Neuronen erster und unterster Ordnung in Tätigkeit gesetzt, womit aber noch kein Bewusstsein verbunden ist; es wird gleichsam das erste Sammelbecken gefüllt. Alsdann greift bei fort¬ dauernder Reizung die Erregung über auf die nächsten Neuronen oder Neuronengruppen — das erste Sammelbecken ist gefüllt und fliefst über in das zweite und dieses, wenn es voll ist, in das dritte u. 8. f. — bis endlich sämtliche Neuronen in Erregung sind d. h. in sämtlichen Neuronen die Nervenenergie, das Neurin, frei geworden ist. Diese Theorie findet Mc. Bougali, bestätigt durch einige Beobachtungen Stouts und Férés. — Die dritte Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Muskeltätigkeit für die Aufmerksamkeit. Wohl, haben darauf schon manche hingewiesen. McDougall aber bringt einige experimentell, gewonnene Beobachtungen als direkte Beweise. Das vollkommene Verschwinden von Gesichtsempfin- dnngen, das Verschwinden und Wiedererscheinen von Nachbildern, das Wechseln von Farben und Formen beim Wettstreit zweier Sehfelder und endlich die wechselnde Auffassung doppeldeutiger Figuren haben das Gemein¬ same, dafs das Sinnesorgan wenig oder gar nicht sich ändert, während die Bewufstseinserscheinungen einen starken und raschen Wechsel aufweisen.