Literaturbericht. 121 mit welcher einerseits die Konsonanzgrade, andererseits die Einheitlichkeit der Konsonanzen und die Schwierigkeit ihrer Analyse zu- und abnehmen, Das psychologische Problem der Konsonanz zerfällt in mehrere Fragen. Man mufs das Intervallurteil von dem unmittelbaren Bewufstsein der Konsonanz und Dissonanz unterscheiden und hierin wieder die Empin- dungsmerkmale und die zugehörigen Gefühle auseinanderhalten. Verf. ver¬ breitet sich hierüber des näheren im zweiten Abschnitt seiner vorliegenden Abhandlung, der auf die Frage hinausläuft, wie sich der Konsonanz- reap. Dissonanzcharakter eines Zusammenklanges von dem einer Tonfolge unter¬ scheidet. Das unmittelbare Bewufstsein der Konsonanz oder Dissonanz ist bei gleichzeitigen Tönen bestimmter und schärfer ausgeprägt als bei sukzessiven; darüber, meint K, seien wohl alle neueren Akustiker einig. Er selbst geht noch einen Schritt weiter und behauptet, bei der Tonfolge bestehe gar kein unmittelbares sondern nur ein abstraktes Bewufstsein der Konsonanz. Zunächst ist aber di© Frage zu stellen, wodurch sich ein kon¬ sonanter Zweiklang von einem dissonanten für die bewufste Wahrnehmung unterscheidet. Zu ihrer Beantwortung wird die grundlegend© Bedeutung der Differenztöne für Konsonanz und Dissonanz ins Feld geführt. Die genauer© Erörterung dieses Gegenstandes wird in der zu erwartenden weiteren Publikation des Autors enthalten sein. Vorerst weist K. nach historisch - kritischen Bemerkungen über di© Kombinationstonbildungen darauf hin, dafs schon Preyeb einen Versuch gemacht habe, di© Erklärung* der Konsonanz auf Verhältnisse der Differenztöne zu gründen, was Veran¬ lassung zu einer gedrängten Darstellung der FaEYEBschen Theorie und ihrer Mangel gibt. Die Abhandlung schliefst mit einer Rekapitulation der wichtigsten Ergebnisse der früheren Untersuchungen des Verf. über die Kombinationserscheinungen bei Zweiklängen und einer schematischen Konstruktion der Differenztöne. Schaefer (Berlin). Franz Lumm. Über die verstimmte Oktave lei Stimmgabeln und über Asjm- metrletOne. Annalen der Physik, 4. Folge, 11, 31. 1903. Werden zwei Stimmgabeln, di© annähernd das Intervall der Oktav© bilden, zusammen erregt, während sie auf ihren Resonanzkästen stehen, so hört man dabei leise, schwebungsartig© Klangveränderungen. Da es nach den Ergebnissen der Eiastizilfttstheori© ausgeschlossen ist, dafs eine Stimm¬ gabel die Oktave als Oberton geben kann, so hat man diesen Versuch dahin gedeutet, dafs hier zwei rein© Töne, d. h. solche Töne, von denen der eine den anderen nicht als Oberton enthält, miteinander interferieren, und di© Phasenungleichheiten der beiden Töne durch das Ohr direkt wahr¬ genommen werden. Eine solche Erklärungsweise steht indes in vollem Widerspruch zu den Untersuchungen von Helmholtz, Hermann und Lindig, aus denen hervorgeht, dafs die Phase, welche zwei verschiedene Tön© mit¬ einander bilden, ohne Einiufs auf den entstehenden Klang ist. Danach müfste es für den mit dem Ohre wahrgenommenen Klang ganz gleichgültig sein, ob die Zinken der Grundtonstimmgabel bei obigem Versuche zu gleicher Zeit die Ruhelage passieren wie die der Oktavenstimmgabel, d. h. in gleicher Phase schwingen, oder ob nicht Sind also Grundton und Oktave gegeneinander etwas verstimmt, so dafs abwechselnd Phasengleich-