114 Literaturbericht. Vermutung nahe, dafs es Farben gibt, die ohne Rücksicht auf einen Neben¬ zweck schön oder häMich gefunden werden. Ein© statistisch© Unter¬ suchung an 200 Personen, denen verschieden gefärbte Papiere (14 Rot, 9 Gelb, 14 Grün, 8 Blau, 7 Violett) zur Wahl vorgelegt wurden, ergab, dafs sich ausgesprochene Majoritäten für und gegen (18) bestimmt© Nuancen entschieden. Das Intensitätsverhältnis der Pigmentfarben zum weiften Licht wurde für verschiedene Wellenlängen spektrometrisch bestimmt und mit Hilfe der Ordinaten der Empfindungskurven im weifsen Licht die Grundempfindungskurven für die Pigmentfarben konstruiert. Eine plani- metrische Ausmessung ergab dann den Anteil jeder der drei Grund¬ empfindungen an der Gesamtempfindung. Es ergab sich, daft als „schön“ diejenigen Nuancen bezeichnet worden waren, die den Grundempfindungen am nächsten kamen. Verl untersuchte nach derselben Methode einig© vorzügliche orientalische Teppiche (indirekt an Reproduktionen und Aquarell¬ kopien, besonders farbenklare Edelsteine, alt japanisch es Email, das Gewand¬ rot einer RAFFAEi/schen Madonna und das Blau des Himmels. Alle unter¬ suchten Nuancen kamen den Grundfarben sehr nahe, viele erwiesen sich auch teils untereinander, teils mit den gewählten Pigmenten der Statistik identisch. Hornbostel (Berlin). W. Wirth. Der Fechner-Helmholtx«che Iiti über negative lachbilder nid seine Analogien. Wundts Philos. Studien 17 (3), 311—430. 1901. 18 (4), 563—686. 1903. Die erste Arbeit (mit 21 Figuren im Text und 2 Tafeln) bildet den 2. Teil einer schon in Band 16 der Philos. Studien (S. 465 fl:1.) unter dem. gleichen Titel vom Verf. veröffentlichten umfangreichen Untersuchung (Referat diese Zeitschr. 27, 290f.). Dieser 2. Teil trägt die Überschrift: Die Veränderungen der Farbenerregbarkeit. Während der Verf. sich in seiner bisherigen. Untersuchung über die Abhängigkeit der negativen Nachbilder vom reagierenden Reize im ganzen auf diejenigen Erscheinungen beschränkte, welche eich der Beobachtung innerhalb der Schwarz-Weifs-Linie darbieten (zur Entstehung der Nachbilder wurden meistens, zur Messung als reagierende Reize ausschlieft- lieh farblose Heiligkeiten benutzt), stellte er sich mit der vorliegenden die Aufgabe, den Tatsachen nachzugehen, welche sich innerhalb des Farben¬ kontinuums ergeben. Bei dieser Feststellung der Abhängigkeit der negativen Farbennachbilder von reagierenden Reizen wurde die Untersuchung hin¬ sichtlich der letzteren unter Zugrundelegung des WuNDTseben dreidimensio¬ nalen Systems durchgeführt, jene Abhängkeit somit für die Helligkeit, den Ton und die Sättigung der reagierenden Farben bestimmt. „Erat mit einer solchen Durchführung des Nachbildes durch die verschiedenen Richtungen des Kontinuums“, führt der Verf. aus, „hat man den vollen phänomenalen Tatbestand in exakter Weise erschöpft, der mit dem Erklärungsbegriffe »Erregbarkeitsveränderungc getroffen werden soll, wenigstens soweit dieser Begriff zunächst dem Zusammenhänge der entsprechenden Empfindungs- Veränderungen zugrunde gelegt wird“. „Variiert man. für eine bestimmte Erregbarkeitsdifferenz die reagierende Projektionsfläche in irgend einer eindeutig festgehaltenen Richtung des Farbenkontinuums und stellt