102 LUeratwrberickt mn fliegenden Projektilen bespricht. Überall dokumentiert sich M. als der genial© Erfinder» der mit einfachstem Mittel» geschickt verwendet, scheinbar spielend technische Probleme löst, an denen sich schon manch einer abgemüht hat» überall versteht er es» selbst scheinbar sprödester Materie eine interessante Seite abzugewinnen und den Laien in wissen¬ schaftlichen Problemen schwierigster Art hineinblicken zu lassen. Das Ganze ist gewürzt durch den für M. so charakteristischen liebenswürdigen Humor. Ein Buch» das von wesentlich anderen Gesichtspunkten aus aufgefafst werden mufs» ist die „Analyse der Empfindungen“, die zuerst im Jahre 1805 erschien» während die 2. bis 4. Auflage sich ganz schnell in den Jahren 1900, 1901 und 1902 folgten. Beweist das» dafs die Grundanschauung Machs, die sich durch das ganze Werk wie ein roter Faden hindurchzieht, die Idee von der Einheit des physischen und psychischen, die in den Empfindungen als gemeinsames Element zusammengef&fst sind» in den letzten Jahren plötzlich so bedeutend an Popularität gewonnen hat? Es wird wohl so sein» und Mach weifs ja auch Avenabius, C. Hauptmanh und manchen anderen Forscher aus neueren philosophischen Schulen zu nennen, deren Anschauungen sich mehr und mehr als den seinen ver¬ wandt heraussteilen» — zu schweigen von einer Gruppe von Biologen» die ebenfalls den Kampf gegen das Metaphysische in der Naturwissenschaft mit lauter Stimme verkünden» di© aber von seiten Machs doch keine so »ehr hohe Würdigung zu erfahren scheinen. Ich mufs gestehen, dafs ich, so sehr ich Mach als Forscher wie ab Schriftsteller schätze, diese seine Stellungnahme nicht ganz begreifen kann, vor allem nicht verstehen kann» wie man aus diesen antimetaphysischen Feldzug irgendwelchen Gewinn für di© Wissenschaft heimzubringen ge¬ denkt. Interessant und geistreich ist ja, was M. über die Empfindungen des Baumes» der Zeit, über die Ton- und Farbenempfindungen sagt» aber „es kommt nichts dabei heraus“, entgegen der eigenen Anschauung Mach» finde ich den Grundgedanken seiner Entwicklung unfruchtbar. Es mag das bei mir eine vielleicht zu weit gehend© Tendenz zur Beharrung in fest eingewurzelter Denkweise sein; doch weifs ich mich damit nicht allein¬ stehend und Mach selbst sagt» dafs die Physiologie im wesentlichen anders urteil© wie er. Es ist hier natürlich nicht der Ort» ein Buch, das in vierter Auflage erscheint, seinen einzelnen Kapiteln nach durchzusprechen, zumal dies in Kürze überhaupt nicht möglich ist. Was Mach Mer bietet» mufs im Zu* sammenhang aufgefafst werden ; der Gedankenreichtum des Buches belohnt das Studium auch für denjenigen, der wie Bef., an diesem Werke nicht di© Freude empfinden kann» wie an manchen anderen Veröffentlichungen Machs, beispielsweise den optischen akustischen Versuchen. Erwähnt sei, dafs Verf. sich bemüht hat, seine Arbeit durch zahlreiche Hinweise auf neue und neueste Publikationen anderer Autoren zu ergänzen und solch er- mafsen dem neuesten Stand© der Experimentaiforschung anzupassen. W. A. Nagel.