48 Literaturbericht. arten, z. B. die Massenstatistik hat zu vermeiden, „unter der Masse der Beobachtungen die Güte derselben leiden zu lassenw£ kann nur ein sehr anspruchsloses Gemüth als Förderungen der Methodologie gelten lassen. Aber neben dieser methodologischen Bedeutung schreibt Ament seiner Untersuchung auch noch eine sachliche zu. Durch "V ergleichung seinei Resultate hei Kindern mit der Pflanzenkenntnifs primitiver Völker glaubt er, das biogenetische Grundgesetz für das psychische Lehen stützen zu können. Die Gleichheit der Entwickelungsgänge beim Kinde und bei der Gattung zeigt sich wesentlich in folgenden Punkten : 1. Die Pflanzenzeichnungen treten Anfangs hinter den Thierzeich¬ nungen sehr zurück. 2. Die ersten Pflanzennamen sind „Urbegriffe“, d. h. Bezeichnungen sehr unbestimmter Bedeutung für grofse Gruppen. Die späteren Allgemem- begriffe sind entwickelungsgeschichtlich zum Theil nicht als Abstractions- begriffe, sondern als Urbegriffe entstanden. 3. Nutzpflanzen, auffallende und häufige Pflanzen werden zuerst und vorwiegend benannt. Die grofse Mehrzahl der Namen fällt den höchsten Classen des Pflanzenreiches zu. 4. Morphologische und biologische Namen werden oft systematisch verwendet. Diese Sätze lassen sich z. Th. auf die allgemeine Regel, dafs von den unzähligen Eindrücken nur die irgendwie interessirenden appercipirt werden, z. Th. auf die bekannte Unbestimmtheit der ersten Begriffsbildungen zurück¬ führen. Der Umfang der Pflanzenkenntnifs ist, wie A. S. 47 sagt, bei Halb* culturvölkern z. Th. gröfser als bei Culturvölkern. Aus solchen ganz allgemeinen Analogien folgern, dafs das biogenetische Grundgesetz in überraschender Weise empirisch bestätigt sei, wie Ament S. 56 thut, ist etwTas kühn. Völlig verblüfft aber wird der Leser, wenn er am Schlüsse erfährt (S. 59): „Wie ich mir eine solche psychologische Ge¬ schichtsschreibung denke, soll meine Skizze der Geschichte der Botanik zeigen“, denn er hat von einer solchen „Skizze“ beim Lesen nichts gemerkt. Blättert er dann zurück, um die Skizze zu entdecken, so findet er S. 44 f ein paar Sätze über den grofsen Umfang und den verhältnifsmäfsig jungen Ursprung unserer Pflanzenkenntnifs, über eine erste kurze Blüthezeit dei Botanik bei den Griechen und über das „finstere Mittelalter“, das die Resultate dieser Blüthezeit „verschlungen" hat, S. 53 und 54 aber eine Zu¬ sammenstellung der Zahl von Pflanzenarten, die verschiedenen Autoren be¬ kannt wTaren. Das nennt Ament „eine über grofse Zeiträume sich er¬ streckende Entwickelung als eine psychologische Entwickelung" darstellen i Die brauchbare Einzeluntersuchung Ament’s hätte gewonnen, wenn er die höchst dilettantischen methodologischen und theoretischen Zuthaten fort¬ gelassen hätte. Cohn (Freiburg i. B.). F. H. Giddings. A Provisional Distribution of the Population of the United States into Psychological Classes. Psychol. Bevieiv 8 (4), 337—349. 1901. Wenn man drei Arten geistiger Phänomene unterscheidet, motorische, emotionelle und intellectuelle, so kann man alle Menschen in vier Classen