(Aus dem psychologischen Laboratorium der Universität Graz.) Zur,,generellenürtheilstendenz“bei Gewichtsversuchen. Von Wilhelm Frankl. Es sei gestattet, im Folgenden kurz über eine Serie von Versuchen zu berichten, die eine, wie es scheint, nicht werth¬ lose Nachprüfung und Bestätigung des von Martin und Müller 1 aufgestellten Gesetzes von der „generellen Urtheilstendenz“ bei Gewichtsvergleichungen darstellen. Sie wurden — in Gemein¬ schaft mit st. phil. Emil Binder zunächst lediglich zu Uebungs- zwecken im experimental-psychologischen Practicum des psycho¬ logischen Laboratoriums der Universität Graz durchgeführt und waren demnach ursprünglich keineswegs zur Veröffentlichung bestimmt. Da sie jedoch schliefslich so günstige Ergebnisse lieferten, und trotz der Verschiedenheit der Personen sowie der Umstände, unter denen sie gänzlich unabhängig vom Göttinger Laboratorium entstanden sind, mit den dort angestellten Ver¬ suchen so gut übereinstimmten, so dürfte ihre im Uebrigen völlig anspruchslos gemeinte Mittheilung als Beitrag zum Thatsaehen- material gerechtfertigt erscheinen. Das Martin-Müller’sehe Gesetz von der generellen Urtheils¬ tendenz besagt, dafs bei Vergleichungen eines constant bleiben¬ den Grundgewichtes mit einem wechselnden Vergleichsgewichte die Chance für ein richtiges Urtheil unter sonst gleichen Um¬ ständen gröfser ist, wenn das Vergleichsgewicht zu zweit ge¬ hoben wird. Dieses Verhalten wird daraus erklärt, dafs der „absolute Gewichtseindruck“ der Leichtigkeit oder Schwere beim Vergleichsgewichte (je nachdem es kleiner oder gröfser ist als das Grundgewicht) eher zu Stande kommt als bei dem in 1 Vgl. Martin u. Müller. Zur Analyse der Unterschiedsempfindlich¬ keit. Leipzig 1899. S. 25 u. S. 43 ff. Zeitschrift für Psychologie 28. 1