466 Liltraturbrricht. des Gegensatzes, der zwischen den Anhängern der Willensfreiheit and des Determinismus besteht, darf nicht überschätzt werden ; es handelt sich hier nicht um verschiedene Weltanschauungen oder Lebensregeln, sondern um eine verschiedene Auffassung darüber, wie die einzelnen menschlichen Handlungen zustande kommen. Allee, was geschieht, unterliegt dem Satz vom zureichenden Grund ; das gilt auch von unserem Denken. Der Mensch wählt dasjenige, was ihm in der gegebenen Sachlage am richtigsten erscheint, auf Grundlage seiner individuellen Eigenart, nicht frei von dieser. Das Freiheitsgefühl, welches jede Handlung Unwillkürlich begleitet, ist nur der Ausdruck des ungestörten Ablaufs der Willensvorgänge; mit der Wald¬ freiheit hat es nichts zu tun. Das gleiche gilt auch von dem Gefühl der Reue; es findet sich auch bei Geisteskranken, denen doch dis Willens¬ freiheit gerade fehlen soll. Der Determinismus vermifst nicht den Schuld¬ begriff des geltenden Rechts, sondern er bestätigt und erklärt ihn. Der Determinismus erkennt auch die weiteren strafrechtlichen Grundbegriffe der Zurechnungsfähigkeit und Vergeltungsstrafe an; ja, gerade er glaubt allein diese Begriffe befriedigend erklären zu können. Ekhst Schultz« (Greifcwald). Bisswahobb. Die Hysterie (Nothnaqzls Spezielle Pathologie und Therapie XII. Bd., I. Hälfte, II. Abteilung) 9Ö4 S. Wien, Alfred Holder. 19(M. Preis 22 M. In dieser umfassenden Monographie der Hysterie ist das Hauptgewicht auf eine erschöpfende Symptomatologie dieser Erkrankung gelegt; aus der Fülle des in der Literatur niedergelegten Materials (das leider nicht in einem speziellen Literaturverzeichnis zusammengestellt ist) und aus der grofsen Erfahrung des Autors ist in lückenloser Vollständigkeit alles zu¬ sammengetragen, was den gegenwärtigen Besitzstand unserer Kenntnisse von den Erscheinungsweisen der Hysterie ausmacht Auf Grund dieser Ergebnisse ätiologisch-klinischer und klinisch- symptomatologischer Untersuchungen und zugleich unter Verwertung der experimentell - psychologischen Forschungen der letzten DezenUien wird in einem besonderen Kapitel der Versuch unternommen, die pathologischen Vorgänge bei der Hysterie unter psycho - physiologischen Gesichtspunkten zu betrachten und so die wesentlichsten Bausteine zu einer psycho- genetischen Begründung der Hysterie zusammenzufügen. — Dieser Ab¬ schnitt des grofsen Werkes: „Allgemeine Psychopathologie der Hysterie“ dürfte hier am meisten interessieren; ich möchte auf ihn deshalb besonders hinweisen. Die Grundlagen der gesamten hysterischen Krankheitsäufserungen, das Wesen der „hysterischen Veränderung“ ist in pathologischen Verschiebungen der kortikalen Dynamik zu Buchen, in „Störungen des Gleichgewichtes zwischen den erregenden und hemmenden Vorgängen innerhalb der Zentrainervensubstanz“. Darin ist die Hysterie den beiden anderen grofsen Neurosen, der Epilepsie und der Neurasthenie, verwandt. Was die hysterische Veränderung aber speziell auszeichnet, dafis ist die hohe Beeinflufsbarkeit aller Innervationsvorgänge durch psychische Ein-