308 Litera turberieht. „daß wir ohne einen ans znm Bewußtsein kommenden äußeren oder inneren Zwang zu handeln fähig sind“. (S. 161.) Und betreffe der eittlichen Urteile, des Gewissens, der Schuld und des Verdienstes, der Verantwortung und der Zurechnung, der Strafe, des Gewissens und dergl. weist er nach, dafs sie keineswegs durch den In¬ determinismus, wie dieser mit so viel Emphase immer wieder zu seinen Gunsten geltend macht, ermöglicht werden, sondern nur durch den Deter¬ minismus, der gleicherweise auch mit den Voraussetzungen und Forderungen des religiösen Bewußtseins gar wohl vereinbar ist. Der dritte Hauptteil endlich führt tief in die Philosophie hinein. Hier nimmt Pr. an den bisher in gutem Vertrauen verwendeten Grund¬ begriffen eine scharfe erkenntnßtheoretßche und metaphysische Nach¬ prüfung vor. Da ist es zuerst der Kausal begriff, der auf seine Tragfähig¬ keit geprobt wird und dessen untrennbarer Zusammenhang mit den Begriffen Notwendigkeit und Gesetzmäßigkeit^erwiesen wird.. Nach diesem das Prinzip der geschlossenen physischen Kausalität und ihr Gegenstück, das der geschlossenen psychischen Kausalität, und ihr gegenseitiges Verhältnis im konsequenten psycho-physßchen Parallelism»«, „wobei sich das Parallel¬ prinzip und der mit ihm zusammenhängende idealistische Seelenbegriff, der jede Möglichkeit der Unabhängigkeit von den vorangehenden inneren und äußeren Bedingungen ausschließt und damit definitiv den Determinis¬ mus auf den Schild erhebt als allein zulässig herausstellten (S. 352), womit die indeterminßtische Behauptung absoluter, independenter Ur¬ sachen für den gesamten Umkreis der Wirklichkeit ausgeschlossen ist" (S. 344). Ein Schlußkapitel zeigt nochmaß, wie unbegründet die oft ge¬ äußerte Befürchtung ist, daß der Determinismus die Moralität gefährde und die Religiosität untergrabe. Diese Inhalteübersicht läßt erkennen, mit wie gründlicher und um¬ fassender Gelehrsamkeit Pfistkb seine Aufgabe behandelt hat. Die Literatur hat er in weitem Umfange herangezogen, ohne indes das Unmögliche und Überflüssige einer auch nur annähernden Volßtändigkeit anstreben zu wollen. Umsomehr waren wir überrascht, daß Beiner Aufmerksamkeit Dblboeufs mechanische und Ostwalds chemßche Theorie der Willensfrei¬ heit, auf die manche neuere Indeterministen, wie Gctbbrlkt, sich stützen, entgangen ist. Das mag indes seine Erklärung wohl darin finden, dafs Verf. als Theologe den mathematisch - physikalischen Gedankengängen ferne steht, wie er denn auch rein theologßchen Erörterungen einen breiteren Raum gewährt, aß ein nicht - theologischer Bearbeiter für nötig halten würde. Aber trotz dieser kleinen Lücke ist das Werk eine kraftvolle, freilich nicht leicht dahinschreitende Verteidigung des Determinismus und wird zweifellos in der alten Streitfrage Gegnern wie Gleichgesinnten als dankens¬ werter Beitrag erscheinen. M. Offnes (Ingoßtadt). Anton Seitz. WUleufreiheit und moderner pijdtologloclier Detemlmimu- Köln, Bachem. 1904. 62 S. Nach des Verf.s Ansicht liegt in dem Streit über die Willensfreiheit „die Wahrheit in der Mitte: in einem relativen Indeterminismus und In differentismus, den man ebensowohl relativen Determinßmua nennen