158 Litera tnrberich t. Lenten etwas schwerer als die linke, bei alteren umgekehrt. Bei Idioten scheint die rechte Hemisphäre durch das ganze Leben zu prävalieren. Auf die einzelnen anatomischen Funde kann hier nicht naher ein- gegangen werden; K. gibt zahlreiche Tafeln darüber. Die Markumhüllung der Nervenfaser ist ein wesentliches Attribut ihrer Gebrauchstüchtigkeit. Die Umhüllung beginnt im frühesten Kindes¬ alter, vollendet sich aber nur sehr allmählich über die ganze Hirnrinde hin, so dafB man selbst im reiferen Alter noch Bezirke antrifft, z. B. vordere Stirnrinde, Inselgegend, wo man den Anschein gewinnt, als ob einzelne Schichten erst in Gebrauch genommen sind, oder als oh sie auf ihrem Wege zu einer intensiveren Ingebrauchnahme in Stillstand geraten seien. In anderen Gegenden findet man zugleich Fasern, die auf einen starken Verbrauch hinweisen. Man findet auch bei normalen Gehirnen in den einzelnen Bezirken der Rinde einen recht bedeutenden Wechsel im Mark¬ fasergehalt; manche Bezirke bleiben bis in das Alter merklich zurück, so das Stirnhirn im Orbitalteil und im vorderen Abschnitt der Konvexität, auf der Medianfläche des S. fornicatus mit seiner Umgebung in der vorderen Hälfte, dann die Insel, die vorderen Partien der Schläfewindungen und in gewissem Grade die Scheitelwindungen — also gerade die Stellen, wo man bisher bei Paralyse glaubte den ausgiebigsten Faserschwund konstatiert zn haben. K. konstatierte dagegen, dafs der Prozefs des Faserschwundes bei Paralyse ein eminent diffuser ist. Er befällt die gesamte Hirnrinde in allen ihren Schichten, und zwar in der Weise, dafs die Einbufse in einem festen Verhältnis zu dem Grade der Markfaserentwicklung in gesunden Tagen bleibt. Auch der Occipitallappen bleibt vom Faserschwund nicht verschont Die IL und III. MEYNBRTsche Schichte weist den stärksten Faserschwund auf; bei ihr gestaltet sich auch beim Normalen die Mark¬ umhüllung am spätesten und wenig ergiebig. Da diese Schicht mit der Entwicklung der höheren Intelligenzvorgänge im engsten Zusammenhang steht, erklärt sich so die tiefe Demenz der Paralytiker. Von dem Faser Schwund ist auch die zonale Schicht und die tieferen Rindenschichten betroffen. Auch bei der Projektionsausstrahlung findet sich Verschmälerung und Rarefikation der Bündel, doch sind letztere relativ wenig zerstört. Zwischen Intensität des Faserschwundes und der Krankheitsdauer besteht ein gewisses Verhältnis; je stärker der Faserschwund, desto gröfser die Demenz. Umpfenbach. A. Viebkandt. Wechselwirkungen beim Ursprung von Z&nberbrinchen. Archiv für die gesamte Psychologie 2 (1), 81—92. 1903. Unsere Volksmeinung und die ältere ethnologische Literatur, besonders die Literatur der Missionare, erblickt in den religiösen Vorstellungen und Gebräuchen der Naturvölker sinnlose Unvernunft. Sie schätzen aber den Verstand der Naturvölker zu niedrig ein. Die neuere ethnologische Literatur dagegen sucht solche Vorstellungen und Gebräuche aus dem un¬ entwickelten Seelenleben des Naturmenschen heraus zu erklären. Anf diesem Standpunkt steht auch Vierkandt. Hier gibt er eine genauere see¬ lische Zergliederung der bei Naturvölkern besonders ihren Medizinmännern