164 Literaturbericht. Vorzeigen des Gegenstandes in ihrem Bewufstsein innerlich wahr¬ genommen habe. In den Anssagen der Versuchspersonen findet Okth vieles, was man sonst einfach entweder als Vorstellung, als Urteil, Gefühl oder Begehmng und dergl. bezeichnete, das er aber als etwas Neues, Eigenartiges, Dankles, Unanalysierbares ansprechen zu müssen meint, zum Teil auf Grund der weiteren Aussagen der Versuchsperson selbst, zum Teil auf Grund eigener innerer Erfahrung in ähnlichen Gelegenheiten. Es ist nun gewifs richtig, dafs wir bei der Analyse unseres jeweiligen Bewufstseins in Vorstellungen und dergl. oft des Unbefriedigenden dieser Analysen gewahr werden und das Gefühl haben, als sei uns etwas verloren gegangen, das Gefühl, „dafs die Bewufstseinstatsachen vielfach von Fransen, die sich einer näheren Bestimmung entziehen, im Bewufstsein umgeben sind“. Andererseits ist es aber doch noch fraglich, ob man dort, wo dieses eigentümliche Psychische sich mit dem Namen einer sonst bekannten Tat¬ sache bezeichnen läfst, etwa als Zweifel, Sicherheit, Glaube, Erinnerung und dergl., wirklich zur Annahme eines neuen eigenen Tatbestandes ge¬ zwungen ist, oder ob es nach den gegenwärtig vorliegenden Nachweisen in solchen Fällen nicht vielleicht doch noch korrekter ist, einfach von, wenn auch nicht im Vordergrund des Bewufstseins stehenden, vielleicht nur rasch vorttberhuschenden, geschweige denn in Worte gekleideten Ur¬ teilen etc. zu reden. — Trotzdem aber wird man den Gedanken an die Möglichkeit einer „psychischen Chemie“, unter den sich die vorliegenden Untersuchungen noch am besten stellen lassen, im Auge zu behalten alle Ursache haben —. Erwähnt sei noch, dafs die Arbeit durch eine kurze Übersicht der historischen Entwicklung der Gefühlspsychologie eingeleitet ist. Witasek (Graz). S. Bell. A Preliminary Study of the Emotion of Love between the Sex«. Am. Jcmrn. of Psychol. 13 (3), 325—354. 1902. Bell teilt ein Kapitel aus einem von ihm angekündigten umfang¬ reicheren Werk über die Psychologie des normalen Geschlechtslebens mit Das Material, das er in diesem Werk verarbeitet hat, entstammt teils seinen Beobachtungen, teils den Beobachtungen und Selbstwahrnehmungen anderer, die Bell auf Anfrage mitgeteilt wurden. Im ganzen gründet sich seine Untersuchung auf 2500 Fälle. Das Hauptresultat, das in der vorliegenden Veröffentlichung mitgeteilt wird, ist die Tatsache, dafs das Liebesieben des Menschen nicht erst mit der Pubertät, sondern in frühester Kindheit beginnt. Unser Autor teilt das gesamte Liebesieben in 4 Perioden ein, von denen 3 in das Alter vor der Reife fallen, nämlich eine erste in die Zeit zwischen 3 und 8, eine zweite in die Zeit zwischen 8 und 14 Jahren. Die dritte Periode ist nach Bell bei den Frauen etwa mit dem 22., bei den Männern ungefähr mit dem 26. Jahr abgeschlossen. Auf die beiden ersten Perioden geht Verf. etwas näher ein und konstatiert vor allem einen Unter¬ schied der Unbefangenheit in der Liebe der frühesten und der späteren Kindheit. Ref. konnte übrigens in den BELLSchen Ausführungen nichts