314 Li tcralwbcricht. 1. Diese Hypotbeae setzt eine Fähigkeit (räumlicher Erkenntnis) der Retina voraus, welche nicht nachgewiesen werden kann. 2. Wenn dahei der Willensimpuls zur Akkommodationsänderung ils Erklärungsprinzip verwendet wird, so heilst das nichts anderes als einen Namen an Stelle einer Erklärung einführen. 3. Endlich vollzieht die in Rede stehende Hypothese eine unnatür¬ liche Scheidung zwischen den Tatsachen des monokularen und des binoku¬ laren Sehens. Diese Gründe scheinen unserem Autor genügend, einen überzeugten Anhänger der HzaiNGschen Theorie zu der Ansicht Wcndts und Abrees zu bekehren, sofern die letzte nur etwas modifiziert wird. Dübb (Würzburg). James h. Hyslop. Bilocular Vision and the Problem of Knowledge- Amer. Joum. of Psychol. 14 (3- 4), 306—323. 1903. Verf. unterzieht zunächst den Begriff des Nativismus, der in der psychologisch optischen Raumtheorie häufig so kritiklos angewandt wird, einer interessanten Prüfung. Er weist nach, welche Verwirrung in der An¬ wendung der Begriffe „empirisch“ und „angeboren“ auf die Phänomene der Tiefenwahrnehmung allenthalben herrscht, seit dem Berkeley die Angeboren- heit des Tiefensehens mit der Begründung bestritten hat, dafs die dritte Dimension nicht in den ursprünglichen Empfindungen des Gesichtssinns gegeben sei. Seit dieser Lehre Berkeleys versucht man, wie Hyslop aus führt, das Tiefensehen vielfach als ein Assoziationsphänomen und somit als ein Erfahrungsprodukt hinzustellen. Aber mit Recht betont unser Autor, dafs zwischen einem erfahrungsmäfsig gewonnenen Assoziationsprodukt und dem dreidimensionalen Gesichtsraum ganz bedeutende Unterschiede be¬ stehen. Die optische Tiefenwahrnehmung ist etwas anderes als alles, was in Empfindungen — mögen es nun ursprünglich gegebene optische oder hinzuassoziierte taktile und motorische sein — enthalten ist. Gerade deshalb aber, weil das Tiefensehen sich nicht in Sensationen auflösen läfst, gerade deshalb, weil wir eine Empfindung der Tiefe nicht ebenso aufzeigen können wie eine Empfindung des Rot oder des Blau — gerade deshalb mais im Gegensatz zu Berkeleys Behauptung das Tiefensehen auf eine angeborene Fähigkeit des Menschen zurückgeführt werden. Was folgt nun aus der Tatsache, dafs die Gesichtswahrnehmung der Körper im Raum von dem Inhalt der Sinnesdaten verschieden ist, für die Erkenntnistheorie ? Zunächst scheint die Folgerung sich zu ergeben, dafs wir Objekte im Bewufstsein oder besser, dafs wir Bewufstsein von Objekten haben, die nicht in Sinnesinhalten bestehen, die den Sinnesinhalten gegenüber transzendent sind. Es scheint also eine gewisse Stütze für den Realismus gewonnen zu sein. Aber der Idealist kann dem entgegenhalten, dafs das „Transzendente“, von dem hier die Rede ist, gewissermafsen eine höhere Potenz der Sub¬ jektivität darstellt. Die Verschiedenheit zwischen Tiefenwahrnehmung und Sinnesdaten beweist doch nur, dafs der dreidimensionale optische Raum