302 Literatmbericht. nicht zu Gute kommen“ und in Folge dessen eine Unfähigkeit zu zweck gemäfsen Bewegungen besteht. Sein Fall scheint zu zeigen, dafs ein circum- skripter Herd im Gehirn die Verwerthung jenes Gesammtbesitzes für die Bewegung bestimmter Theile des Körpers aufheben kann. Sowohl wegen mancher interessanter Untersuchungsmethoden wie wegen zahlreicher theoretischer Erörterungen verdient die Arbeit im Original studiit zu werden. Ziehen (Utrecht). N. Vaschide e Cl. Vurpas, Di alcnne attitadlBe caratteristlche d’intrupettai somatica patologica. Bivista sperimentalc di freniatria 27, 179—186. 1901 Verff. schildern eingehend ihre an einer 50 jährigen Frau gemachten Beobachtungen. Die Kranke war mit 49 Jahren eine starke Trinkerin ge¬ worden und dann in ein delirio di negazione, wir würden sagen eine Involutionsmelancholie mit Kleinheitsideen, verfallen. Die Entwickelnng der Vorstellung, sie sei von Eisen, wird auf die Selbstbeobachtung der Patientin zurückgeführt, die das an sich Wahrgenommene, insbesondere ihre Gefühllosigkeit, immer in dem Sinne verarbeitete. Ein verunglückter Selbstmordversuch ruft die Idee wach, sie könne nicht sterben und dieser Gedanke wiederum die Vorstellung, sie sei verwandelt. Die genaue Unter¬ suchung der verschiedenen Empfindungsqualitäten liefe nichts Abnormes erkennen. Die in 5 Bildern wiedergegebene Haltung der Kranken zeigt sehr hübsch, wie sie sich selbst beobachtet und nachdenkt. Verff. schlagen vor, bei der Bedeutung, die der Selbstbeobachtung zukommt, diese Formen als introspectives Delirium zu bezeichnen. Aschaffenburg (Halle). 1. K. Kölle. Der erste Unterricht bei Schwachsinnigen. Die Kinderfehler I (3), 101—112. 1901. 2. Tobie jon ck heere. Ueber iet EinAafs der Musik aif die Bewegungen bei schwachsinnigen Kindern. Ebendaselbst 113—120. 1. Der verdienstvolle Verf., welcher in einem leider zu wenig ge¬ würdigten Vortrag: „Das Erwachen der Psyche“ (1898) sein von den her kömmlichen Anschauungen in wesentlichen Punkten abweichendes heil pädagogisches System begründete, nimmt in der vorliegenden Arbeit Stellung gegen jene Richtung des Idiotenunterrichtes, welche sich der Hauptsache nach mit der Uebung der Sinnesorgane begnügt. Verf. erblickt in der Weckung und Uebung der Verstandesfunctionen die wichtigste Auf¬ gabe des Schwachsinnigenunterrichtes und spricht sich daher entschieden gegen jene Methode aus, welche den sprachlosen Idioten durch mechanische Beibringung von Lauten und Lautverbindungen in den Besitz der Sprache bringen will. 2. Die Bedeutung gymnastischer Uebungen für den Unterricht und die Erziehung schwachsinniger Kinder ist schon von dem Altmeister der Heilpädagogik, Itard, gewürdigt worden. Ebenso ist es längst bekannt, dafs diese Uebungen am erfolgreichsten sind, wenn sie von möglichst ein fachen Tactformen unterstützt werden. Diese Erfahrungen veranlagten den Verf. zur Einführung gymnastischer Uebungen mit Musikbegleitung als besonderen Lehrgegenstand in der Schwacheinnigenschule zu Brüssel.