218 Literatnrhericht. zeichnen, di© in der sehr konzentriert geschriebenen Arbeit zusammen gedrängt sind. Keiner, der sich für die hier behandelten Probleme in¬ teressiert, darf sich ein gründliches Studium des Originals entgehen lassen. Weiteren Studien des Verfassers, die uns angekündigt werden, sehen wir mit höchstem Interesse entgegen. J. Cohn (Freiburg i. B.). Paul Cohn. SemftaerrsgUfek n4 Inakieilst. Eine Studie über Weser, und Sitz der Gemütserregungen, ihre Beziehung zu Erkrankungen, und über Wege zur Verhütung. Berlin, Vogel u. Kreienbrink, 1903. 148 8. Mk. 2,00. Der Eiuflufs psychischer Vorgänge auf die Körperorgane und ihre Funktionen, und die Bedeutung, welche ihnen dadurch für die Entstehung und Behandlung von Krankheiten zukommt, ist lange Zeit von der medi¬ zinischen Wissenschaft völlig ignoriert worden ; und ein Buch, wie das vor¬ liegende, wäre wohl noch vor wenigen Jahren von der Kritik als unwiseen schafUich beiseite gelegt worden. Das ist anders geworden. Die Möglichkeit solchen Einflusses wird heute wohl kaum mehr bestritten, und sie durch zusammenhängende Dar¬ stellung plausibel gemacht zu haben, ist ein Verdienst, für das der Verf. auf Dank rechnen kann. Das Gehirn steht mit allen Organen durch die Nerven in Verbindung; nervöse Einflüsse spielen bei allen Funktionen eine wichtige Rolle, und so ist es verständlich, dafs Gehirnfunktionen (und als solche müssen wir die psychischen Vorgänge, speziell die Gemütserregungen hier auffassen) die Tätigkeit jedes anderen Organs beeinflussen können. Als Krankheitsursachen können Gemütserregungen entweder ver schlimmernd auf vorhandene Krankheitsanlagen einwirken, oder selbständig Krankheiten hervorrufen. Im einzelnen besprochen werden die Wirkungen auf Gehirn und Nervensystem, auf die willkürliche Muskulatur, auf die unwillkürliche Muskulatur, und zwar a) auf Herz und Gefäfse, b) auf Magen und Darm, endlich auf gewisse Drüsenwirkungen und auf die Haut. Nachdem Verf. uns so vor Augen geführt hat, wie umfangreich das Gebiet der pathologischen Wirkungen der Gemütserregungen ist, erörtert er im letzten Abschnitte die Prophylaxe, welche hauptsächlich auf dem Gebiete der Jugenderziehung einzusetzen hat. Die psychologischen Betrachtungen, mit welchen Verf. sein Buch ein- leitet, wirken zunächst befremdend. Die Bezeichnungen „Empfindung', „Gefühl“, „Stimmung“, „Vorstellung“ braucht er durchweg in anderem Sinne als üblich. Im Vorwort bemerkt er, dafs er niemals Psychologie studiert habe, und dafs er diese „autodidaktische Art, Psychologe zu werden“ für die einzige richtige halte, denn in der Psychologie sei Selbstdenken Grundbedingung. Man möchte entgegenhalten, dafs bald alles gegenseitige Verständnis verloren gehen würde, wenn jeder das bereits vorhandene ignorierte und von vorn anfinge. Hätte Verf. ein wenig mehr Psychologie studiert, so wäre vielleicht seine psychologische Einleitung ungeschrieben geblieben. Denn wenn man sich einmal an seine ungewohnte Ausdruck¬ weise gewöhnt hat, dann kommt man dahinter, dafs er eigentlich recht wenig Neues bringt. Dkitebs (Bonn).