74 Über den Einflufs der Blickrichtung auf die Gestalt des Himmelsgewölbes. Von ALOYS Müller. I. Mit dem Problem der Gestalt des Himmelsgewölbes geht es ähnlich, wie mit manchen anderen Problemen der exakten und spekulativen Wissenschaften : sie scheinen eine befriedigende Lösung gefunden zu haben, die sich dem Zusammenhang der betreffenden Disziplin harmonisch einordnet; aber nachträglich, nach gröfserer oder kleinerer Zeit zufriedener Ruhe, stellen sich allerhand Bedenken ein, oft gerade in bezug auf die fundamen¬ talsten Methoden jener Lösung. Das Problem der Gestalt des Himmelsgewölbes schien durch Reihann, Zoth, Filehne u. a. glücklich und zufriedenstellend gelöst. Der Winkelwert von 22 0 für den halben Bogen Zenit-Horizont stand fest und das ganze damit zusammenhängende Täuschungssystem am Himmel, wie es etwa Pernter in seiner „Meteorologischen Optik“ (Wien 1902,1. Abschn.) darlegte, schien widerspruchslos aufgebaut, wenn man auch noch einige Lücken füllen mufste und über den tief¬ sten physiologischen oder psychologischen Grund noch nicht ganz einig war. Neuerdings aber wenden sich immer mehr Stimmen gerade gegen die grundlegenden Untersuchungen Reimanss. Tatsächlich bieten die REiMANNschen Resultate und Methoden für Angriffe manche schwache Seiten. Was mir an ihnen hauptsächlich verfehlt erscheint, fasse ich in folgende drei Punkte zusammen, auf die teilweise zwar schon von anderen hingewiesen wurde, die aber wie mir, so auch jedem, der schon mit physiologischen Täuschungen gearbeitet hat und von einschlägigen Wissenschaften einige Vorstellungen besitzt, sofort auffallen müssen.