288 Literaturbericht. K. Pappexheim. Die Ktaderxeichnnng tm Anichaanngsnterrkht Zeitsckr. für pädag. Psychol, u. Pathol. 2 (3), 161—190. 1900. Die Arbeit ist wesentlich praktisch-pftdagogischer Natur. Sie bespricht eine Reihe von Methoden, durch welche die Kinder «um Zeichnen tot Lebensformen in linearer und flftchenhafter Darstellung angeleitet werden können und hebt hervor, wie auf diesem Gebiet Schulpraxis und Kindes- psychologie auf einander angewiesen sind und gegenseitige Förderung er hoffen lassen. W. Stern (Breslau). J. Cohn. Was lernt die Psychologie Yen der Pädagogik * Zeitschr. für päda§. Psychol. 1 (1), 20—27. 1899. Seitdem die Pädagogik sich der Fesseln der HerbaBTSchen Seelen lehre «u entledigen beginnt, eröffnet sich der vom Geiste exacter Forschung durchdrungenen Psychologie ein wichtiges Anwendungsgebiet. Aber auch der Psycholog kann von der Mitarbeit des Lehrers eine unabsehbare Folk von Anregungen erwarten, die wiederum befruchtend auf seine eigene Wissenschaft einzuwirken im Stande ist. Aufser den in seinen Methoden verborgen liegenden allgemeinen Ein¬ sichten verfügt der Lehrer über ein ungeheueres Material psychologischer Experimente. Der Verf. hat hierbei jene Versuche im Auge, welche sich aus dem Unterrichtsbetrieb selbst ergeben. Allerdings wird es zuvor nöthig sein, die Gesichtspunkte zu entwickeln, unter denen die Dictate, Extem¬ poralien, Antworten etc. als psychologisches Material benutzt werden können. Dies scheint nach drei Richtungen hin möglich zu sein: fftr ge¬ wisse Fragen der allgemeinen Psychologie, für die Erkenntnis der Ent¬ wickelung des Geistes und für die Charakteristik der Individualitäten. Unter den allgemein psychologischen Problemen ist das der Ermüdung und in engem Zusammenhang damit das der Uebung bereits behandelt worden. Eine Reihe anderer Fragen harrt noch der Bearbeitung. Von besonderer Wichtigkeit wird die entwickelungsgeschichtliche Verwerthong des im Unterrichte gegebenen Materials sein. Genaue Anhaltspunkte für den Fortgang einer derartigen Untersuchung lassen sich freilich a priori nicht aufstellen, sie müssen sich in der Arbeit selbst ergeben, die nur von einem psychologisch gebildeten Lehrer mit Aussicht auf Erfolg durchg* führt werden kann. Die Psychologie der Altersstufen führt naturgemäfs hinüber zu den Problemen der individuellen Unterschiede. „Dieser Zweig der Psychologie hat es mit zwei Arten von Gruppenbegriffen zu thun: Einmal mit denen, welche die Wissenschaft selbst nach den von ihr erkannten Verschieden¬ heiten bildet — hierher gehören die Gruppen der visuell, akustisch und motorisch behaltenden und vorstellenden Menschen — dann aber auch mit den anderweitig gegebenen Gruppen der Geschlechter, Altersstufen, Berufe unterschiede, Stammesverwandtschaften u. s. w.M Solche Verschiedenheiten müssen sich in einer durchschnittlichen Verschiedenheit der geistigen Funktionen und Leistungen abspiegeln, und nach beiden Seiten hin ergeben sich wichtige Fragen für die psychologische Bearbeitung. Ueber dea Zu¬ sammenhang der Variation verschiedener geistiger Eigenschaften kann der Lehrer, wie nicht leicht ein anderer Beobachter, Aufschlufs geben, dn er