Stereoskopie und Tiefen Wahrnehmung im Dämmerungssehen. 265 Unterschiede gegenüber den Zapfen zeigen. Auch Heins sieht sich ja veranlafst, für die besonders feine Tiefenwahrnehmung im macularen Gebiete Besonderheiten der Innervation anzu¬ nehmen. Dafs man im reinen Dämmerungssehen, wo die Stäbchen allein functioniren, z. B. bei nächtlichem Gang auf schlecht¬ beleuchtetem Wege, körperlich zu sehen glaubt, beweist nicht allzuviel; man weifs ja, wie man sich hierüber täuschen kann, und auch körperlich zu sehen glaubt, wenn man ein Auge schliefst Der kürzlich von mir gemeinsam mit Herrn Professor E. v. Hippel untersuchte total farbenblinde Herr konnte, wie es bei einigen allerdings nur flüchtigen Versuchen schien, mittels des Stereoskops kein körperliches Sehen erzielen. So wenig ich hieraus den Schlufs ziehen wollte, dafs die Stäbchen zum stereo¬ skopischen Sehen ungeeignet seien, so war diese Beobachtung doch mit ein Anlafs für mich, die nachstehend beschriebene Versuchsreihe auszuführen, in welcher ich feststellen wollte, ob unter den Bedingungen des reinen Dämmerungssehens oder Stftbchensehens in analoger Weise körperlich gesehen wird und Tiefenwahmehmung möglich ist, wie mit helladaptirten Augen. Die Versuche ergaben aufs Unzweideutigste, dafe dies in der That der Fall ist Zunächst läfst sich zeigen, dafs die gut dunkeladaptirten Augen Stereoskopbilder gut vereinigen und körperlich sehen, wenn die Beleuchtung derselben unter der fovealen Schwelle bleibt Die Figur einer vierseitigen abgestumpften Pyramide z. B., von oben gesehen, wird ausgesprochen körperlich gesehen, ja wie mir scheint, mit noch gröfserer Tiefe als bei Betrachtung im Hellen. Sie war durch dicke weifse Linien auf schwarzem Grunde hergestellt Mit nur einem Auge betrachtet, erscheint sie natürlich völlig flach. Beleuchte ich das eine Halbbild, wie in dem eben erwähnten Versuche, so schwach, dafs es foveal unsichtbar ist, das andere dagegen stärker, so dafs es foveal sichtbar ist, und betrachte nun das erstere mit einem dunkeladaptirten, das andere mit helladaptirtem Auge, so wird ebenfalls ganz deutlich körperlich gesehen. Dabei war durch geeignete Regulirung der Helligkeit Sorge getragen, dafs dem Hellauge sein Bild in der gleichen Helligkeit erschien, wie dem Dunkelauge das seinige.