Stereoskopie und Tiefenwahrnehmung im Dämmerungssehen. Von Prof. Dr. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). Heine hat unlängst in seiner Abhandlung über „Sehschärfe und Tief en Wahrnehmungw 1 gezeigt, wie überraschend fein unter geeigneten Bedingungen die Tiefenwahmehmung mittels beider Augen sein kann. Das sehr einfache und elegante Versuch* verfahren, von v. Helmholtz herrührend, besteht darin, dafs drei verticale Stäbchen in einer frontalen Ebene vor einem gleich- mäfsig hellen Hintergrund aufgestellt und binocular betrachtet werden, und nun festgestellt wird, um wie weit das mittlere Stäbchen vor oder hinter die durch die beiden äu&eren Stäbchen gegebene Ebene verschoben werden mufs, damit die Verschiebung erkannt wird und der Eindruck verschiedener Entfernung vom Beobachter ein tritt. Ohne auf die theoretischen Folgerungen Heine’s über „Doppelversorgung“ des macularen Netzhautbezirks näher dm»* gehen, möchte ich hier nur erwähnen, dafs die Ausführungen Heines mir den Gedanken nahe legten, ob eine derartige Tiefen* Wahrnehmung und stereoskopisches Sehen auch den Netzhaut* Stäbchen zukommt, oder etwa nur durch die Zapfen vermittelt wird. Von vomeherein möchte man vielleicht sagen, es sei selbstverständlich, dafs auch mittels der Stäbchen allein stereo¬ skopisch gesehen werden könne und Tiefenwahmehmung mög¬ lich sei. Selbstverständlich ist dies indessen keineswegs und auch meines Wissens bis jetzt nicht bewiesen. Die Verschiedenheit der Bedingungen, unter denen Stäbchen und Zapfen functioniren, und die Verschiedenheit ihrer anatomischen Beziehungen zum Sehnerven lassen gewifs an die Möglichkeit denken, dafs die Stäbchen hinsichtlich des binocularen Zusammenwirkens gewisse 1 L. Heute. Sehschärfe und Tiefenwahmehmung. Arch. f. Ophthalm. 51, 146.