210 Literaturbericht. als momentane Reiznngsvorgänge in bestimmten Gentren sich erweisen, entsprechen dem, was wir Ich, Selbst nennen, das nicht als Vorstellungs- Inhalt gegeben ist. Seine Eigenart ist bedingt, begründet durch die Nach¬ wirkung früherer Erlebnisse, solcher der Vorfahren wie eigener, und durch eine von Individuum zu Individuum wechselnde besondere Wirksamkeit der Centren in dieser oder jener Richtung. Dieses Ich tritt in die Er¬ scheinung als eine Summe von instinctiven Gefühlen und gewinnt so auf unser concretes Denken, Urtheilen und Handeln großen Einfluß, oft im Widerspruch mit den im Moment gegebenen Bewußtseinsinhalten. Offnes (München). R. Eisler. Das Bewafstsein der Anfsenwelt. Grundlegung za einer Erkenntnis¬ theorie. Leipzig, Dürr, 1901. 106 S. Der Verf. untersucht zunächst das Verhältnis von Empfindung und Wahrnehmung (deren Plus er in assimilirten Elementen früherer Wahr¬ nehmungen erblickt), dann den Gegenstand der Wahrnehmung, die Kategorie der Dingheit (Dingheit ist ein Reflex der Ichheit, also Introjections- Leistung) und die KANT’schen Kategorien, endlich den naiven und kriti¬ schen Realismus und die Beziehung von Bewufstsein und Sein („Sein“ heilst in letzter Linie: sich wie ein Ich verhalten). Als Ergebnis seines wissenschaftlichen Nachdenkens bezeichnet der Verf. einen kritischen Realismus und Positivismus. — Die dem Haupttexte beigefügten An¬ merkungen sind Zeugnisse eines seltenen Fleißes und verleihen dem Büch¬ lein einen speciellen Gebrauchswerth als Orientirungsbehelf. In der Problemstellung und Lösung selbst scheint dem Ref. die Arbeit einen eigentlichen Fortschritt nicht zu begründen. Kreibig (Wien). A. Bagin8ky. Ueber Saggestion bei Kindern. Zeitschr. f. pädag. Psychol, u. Pathol. 3 (2), 97-103. 1901. Der im Verein für Kinderpsychologie gehaltene Vortrag beschreibt eine Reihe von klinischen Beobachtungen, in welchen Kinder von zum Theil recht schweren pathologischen Zuständen auf rein suggestivem Wege geheilt wurden. W. Stern (Breslau). C. Stumpf. Tonsystem and Hasik der Siamesen. Mit einer Beilage: Partitur and Melodie eines siamesischen Orchesterstücks. Beiträge zur Akustik und Musikwis8emchaft (3), 69—138. 1901. A. J. Ellis hatte im Jahre 1885 beiläufig mitgetheilt, daß der siamesischen Musik eine Leiter von 7 gleich grofsen Stufen zu Grunde liege. Die principielle Wichtigkeit dieser Angabe veranlaßte Stumpf zu einer Nachprüfung, wozu die Anwesenheit eines guten siamesischen Orchesters in Berlin Gelegenheit bot. Seine umfassenden Untersuchungen beschränkten sich nicht auf die (bestätigende) Feststellung jener 7 stufigen Tonleiter; sie erstreckten sich auf alle Instrumente der Truppe, auf das musikalische Gehör der Künstler, auf die producirten Musikstücke; sie führten zu einer Analyse und psychologßchen Interpretation der siamesischen Musik überhaupt. — Die regelmäßig und zugleich benutzten Instrumente