152 C. Stumpf. schiede des Verklingens schon geltend machen. Ferner kommt es auf die Stellung der Gabeln zur Schallröhre an und auf die Fortpflanzung innerhalb derselben, in welcher Beziehung auch Unterschiede sein können. Endlich sind die Stimmgabeln jeden¬ falls nach einander angeschlagen worden; denn 6 Gabeln gleichzeitig anzuschlagen und dazu gleich stark, das wird keinem gelingen. Aber beim Anschlägen nach einander ist die erste doch schon einigermaßen schwächer geworden, wenn die letzte angeschlagen wird. Es ist also auch die Dauer des Abklingens nicht die gleiche, und es wird sehr darauf ankommen, welche zuletzt angeschlagen wurde. Solange nichts angegeben wird, wie alle diese — nach meiner Meinung unter den angegebenen Umständen theilweise geradezu unüberwindlichen, bei Gabeln etwa nur durch elektrische Erregung lösbaren — Schwierigkeiten experimentell beseitigt wurden, solange bleiben die Versuche ohne alle Beweiskraft, und man kann sehr leicht sich eine Erklärung für die an¬ gegebenen Resultate ausdenken, die mit psychologischen Dingen gar nichts zu thun hätte. Verfasser zieht aber aus seinen Tabellen aufser dem obigen allgemeinsten Ergebnifs auch die Folgerung, dafs gewisse Per¬ sonen leichter durch die ungeradzahligen, andere durch die geradzahligen Theiltöne zu Einheitsurtheilen verleitet werden, dafs es also für jedes Individuum einen Normal-Obertonklang gebe, d. h. einen, welcher die gröfsten Schwierigkeiten der Analyse bietet. Ich kann nicht finden, dafs die dafür heran¬ gezogenen Zahlen der Tabelle ELI hinreichend starke Unter¬ schiede zeigen, um diese merkwürdige Folgerung zu stützen. Aus Tabelle IV aber geht überhaupt nichts derartiges hervor, sie lehrt nur, dafs Vergröfserung des Intervalls die Einheits- urtheile verringert, was sich ja leicht versteht.1 1 Wenn übrigens derVerf. S. 472 sagt: „Von solchem Verhalten ist keinem Musiker oder Tonpsychologen etwas bekannt“, so darf ich wohl auf meine Tonpsychologie II, 319 f. verweisen, wo als erste unter den Bedingungen für die Analyse gleichzeitiger Töne ihre Distanz angeführt ist, wie es auch sonst bei jeder Gelegenheit von mir betont wurde. Aufserdem ist es aber ein grofses Mifsverständnifs der Helmholtz’ sehen Lehre vom Mechanismus des Hörens, dafs aus dieser die genannte Folgerung fliefse, die erst der Verf. bestätigt zu haben glaubt. Nach Helmholtz wird, wie jeder weifs, der Zusammenklang nur dann „gestört1”,