150 . C. Stumpf. für musikalisch hält und es in der gewöhnlichen Praxis auch wirklich ist, gegen anscheinend weniger Musikalische zurück' tritt Ueber Meyers Versuchsperson G., von ihm als „gut musikalisch gebildeter und vielfach bewährter Beobachter“ be¬ zeichnet, will ich nur erwähnen, dafs ich denselben gleichfalls nebenbei zu den unten zu beschreibenden Versuchen heran- gezogen habe. Es fand sich, dafs er in einer Versuchsreihe mit sehr kurzen Zeiten, wo die Aufgabe gestellt war, das ge¬ hörte Intervall zu bezeichnen, unter 19 Fällen nur 3 richtige Urtheile abgab (sie fielen jedesmal auf die Terz), während ein wirklich gut musikalischer und geübter Beobachter unter genau gleichen Umständen unter 17 Fällen nur 3 verfehlte. Die sonstige Beobachtungsfähigkeit dieses unseres geschätzten Mitarbeiters wird dadurch natürlich nicht bestritten. Auch war Meyer’s Fragestellung leichter (nur „Einheit oder Mehr heit?“) und die Zeiten länger. So werden wir denn auch Mehreres aus seinen Ergebnissen bestätigt finden, während Anderes mit den erweiterten Erfahrungen im Widerspruch steht Aber eben die Entscheidung darüber, was ein individueller und was ein allgemeinerer Zug ist, läfst sich nur durch Vermehrung der Versuchspersonen gewinnen. Und dabei zeigen sich doch auch noch andere mehr formelle Unterschiede : in Hinsicht der Constanz der Ergebnisse, der Durchsichtigkeit der Tabellen überhaupt, endlich auch Unterschiede in der Fähigkeit und den Ergebnissen der Selbstbeobachtung der Einzelnen während der Versuche, die für die nachherige Verwerthung von grofser Be¬ deutung werden können. Durch Meyer’s Publikationen wurde R. Schulze veranlagt, Versuchsreihen zu veröffentlichen, welche er bereits 1891—93 im Leipziger psychologischen Institut auf Grund ähnlicher Frage¬ stellungen gemacht hatte. Auf diese mufs ich etwas näher ein- gehen. In der ersten Versuchsreihe wurden Zusammenklänge ein¬ facher Töne (von Gabeln), welche im Verhältnis der ersten sechs harmonischen Theiltöne zu einander standen, in ver¬ schiedenen Combinationen (bald nur einer davon, bald drei vier etc.) in wechselnder Anordnung angegeben. Der Eindruck dauerte jedesmal 2 Secunden. Drei Beobachter, darunter ein sehr musikalischer, hatten die Aufgabe, zu sagen, ob sie einen oder