Ueber das Erkennen v. Intervallen u. Aceorden bei sehr kurzer Dauer. 149 (M. Meyer); 6. Schnellste Reaction auf Grund solcher Urtheile (M. Meyer) ; 7. Erkennung des Intervalls bei Zweiklängen, deren tieferer Ton verstärkt war (M. Meyer); 8. Urtheil über Einheit oder Mehrheit bei harmonischen Zusammenklängen bis zu 6 Tönen (R. Schulze); 9. Dasselbe Urtheil bei Zweiklängen von verschiedenem Intervall mit fortschreitender Verkürzung der Zeitdauer bis zum Minimum (R. Schulze).1 In näherer Beziehung zu den im Folgenden zu beschreiben¬ den Versuchen stehen nur die zuletzt erwähnten 5 Versuchs¬ reihen.3 Und da die Veranlassung zu den meinigen theilweise in Bedenken lag, welchen diese Versuche mir ausgesetzt scheinen, so will ich diesen Bedenken zuerst Ausdruck geben. Auf die Folgerungen, welche Meyer an seine Ergebnisse knüpft, will ich hierbei nicht zurückkommen, da ich das Un¬ logische darin früher genug gekennzeichnet zu haben glaube. Bezüglich der Versuche selbst aber scheint es mir ein Fehler, sich mit einem einzigen Beobachter zu begnügen. In psychologischen und psychophysischen Dingen sind der individuellen Verschieden¬ heiten so viele auch unter den Geübten, auch unter den so¬ genannten Musikalischen, dafs nur die Untersuchung einer gröfseren Zahl vor einseitigen und schiefen Theorien schützt Speciell bei Zeitverkürzungen zeigt sich, dafs mancher, der sich 1 Auf welche Versuche Wundt in seinem „Grundrifs der Psychologie“ 1896, 8.116 hindeutet, ist mir nicht klar. Nachdem er die Verschmelzungs¬ grade der Intervalle angeführt und sogar der kleinen und der grofsen Terz verschiedene Grade zuerkannt hat, fährt er fort : „Ein Maafs für den Grad der Verschmelzung erhält man in allen diesen Fällen, wenn man während einer gegebenen, sehr kurzen Zeit einen Zusammenklang ein wirken und den Beobachter entscheiden läfst, ob er blos einen Klang oder mehrere Klänge wahrgenommen hat Wird dieser Versuch öfter wiederholt, so er- giebt die relative Anzahl der für die Einheit des Klangs abgegebenen Ur¬ theile ein Maafs für den Grad der Verschmelzung.“ Auf diese Methode als eine zu versuchende habe ich zwar selbst schon 1890 hingewiesen; aber eine so bestimmt hingestellte Behauptung über ihre Leistungsfähigkeit, wonach man sogar den Unterschied in der Verschmelzung der beiden Terzen, der bisher niemals festgestellt wurde, dadurch bestimmen könnte, mufs sich doch wohl auf ausgedehnte Er¬ fahrungen gründen, deren Veröffentlichung demnach zu erwarten steht. * Max Meyer. Ueber Tonverschmelzung u. die Theorie der Consonanz. Zeitschr. f. Psychol. 17, 401 f. 1898. Rudolf Schulze. Ueber Klanganalyse. Wundt's Philosoph. Studien 14, 471 f. 1889.