124 Literaturbericht. nach seiner logischen Structur, diese nicht. Beim Anstreichen bestimmter Buchstaben im Text (9) ist zwar das Quantum der Leistungen bei beiden Gruppen ziemlich gleich, dagegen das Quale bei den Intelligenten aulser- ordentlich besser. Das zweite Hauptresultat, welches B. nicht mit Unrecht für noch wichtiger hält, besteht darin, dafs diese bedeutende Differenz zwischen den beiden Gruppen bei ferneren Wiederholungen Btark abnimmt, so dafs die Unintelligenten den Intelligenten an Leistungsfähigkeit dann sehr nahe kommen. Charakteristisch für den Unterschied der beiden Gruppen ist also nicht sowohl ein constantes Minus der Aufmerksamkeitsleistung bei den Unintelligenten, als eine erschwerte Adaptation der Aufmerksamkei an neue Anforderungen. W. Stern (Breslau). E. Thorndike. Mental Fatigne. Psychol. Review 7 (6), 547—579. 1900. Dies ist die Fortsetzung einer Abhandlung, die bereits in dieser Zeit¬ schrift (25 (4), 269) besprochen wurde. Thorndike berichtet nun über Ver¬ suche an Schulkindern, die nach einer theilweise neuen Methode angestellt wurden. Um den Einflufs der Uebung zu vermeiden, wurden dieselben Versuche nie zweimal an denselben Kindern angestellt, sondern an einer Gruppe von Kindern früh am Tage, an einer anderen Gruppe spät. Die folgenden Aufgaben wurden gestellt: 1. Multiplication vierstelliger Zahlen. 2. Markirung von Druckfehlern. 3. Eine zehnstellige Zahl wurde 10 Sec. gezeigt und dann von den Kindern aus dem Gedächtnifs niedergeschrieben. 4. Fünf sinnlose Silben, jede bestehend aus einem Vocal und einem Con- sonanten, wurden 10 Sec. gezeigt und dann aus dem Gedächtnifs nieder¬ geschrieben. 5. Sechs ganz einfache Zeichnungen wurden 10 Sec. geneigt und dann aus dem Gedächtnifs wiederholt. 6. Zehn Buchstaben wurden gezeigt an Stelle der zehn Ziffern. 7. Die Schüler zählten in 5 Sec. Punkte auf einer Karte. Das Ergebnifs dieser Versuche war, dafs die Schüler spät am Vormittage oder Nachmittags ebensogut arbeiteten als am frühen Morgen. Alles was nöthig ist, um sie dazu zu veranlassen, ist die richtige Anregung zur Arbeit. Thorndike behauptet nun, dafs die Anforderungen, die hier an die Schüler gestellt wurden, äquivalent seien mit den An¬ forderungen, die das gewöhnliche Schulleben an die Schüler stelle; doch giebt er keine Gründe für diese überaus wichtige Behauptung an. Es scheint dem Ref. zweifellos, dafs man Schüler sehr leicht — selbst am Nachmittag — dazu anregen kann, für ein paar Minuten mit aller Energie einer speciellen, verhältnifsmäfsig einfachen Thätigkeit, wie der hier ver¬ langten, sich hinzugeben; aber nicht so leicht, eine ganze Stunde lang ihre Aufmerksamkeit auf die gewöhnliche Schulthätigkeit zu concentriren. Ob man das „inability“ der Schüler nennen soll oder nicht, ist einfach eine Frage der Definition. Thorndike leugnet eine Abnahme der „ability“ während des Schultages, weil seine Experimente beweisen, dafs die Schüler am Nachmittag ebensogut arbeiten „können“ wie am Vormittag. Er wirft dann die Frage auf, ob stundenlang fortgesetzte Thätigkeit einer und derselben Art nach einiger Zeit eine Abnahme erfährt Einer der Versuche bestand darin, dafs in einem Buch von 151 Seiten jedes Wort