Literaturbericht. Ill achtet bleiben darf das Eingreifen subjectiver Vorgänge, wie Ermüdungs¬ empfindungen und die rhythmische Betonung und Gruppirung der das Arbeitstempo markirenden Sinnesreize. Die subjectiven und die physio¬ logischen Ermüdungserscheinungen stehen zwar in enger Beziehung mit einander, aber sie sind keinesfalls zu identifie!ren. Als rein psychologische Fragestellungen bleiben die folgenden bestehen: „1. Wie verhalten sich die Ermüdungsempfindungen bei der Muskelermüdung zu andersartigen Er¬ müdungsvorgängen (etwa der Ermüdung durch intellectuelle Thätigkeit)? und 2. wie verhält sich der als Anstrengung bezeichnete Complex von Empfindungs- und Willensvorgängen (?) zu den Componenten in den Er¬ müdungsempfindungen, sind diese selbst verstärkte Innervationsempfin¬ dungen (?) oder von der Peripherie aus bedingt?“ „Mit dieser zweiten Frage ist dann unmittelbar die verknüpft, ob die Ermüdungsempfindungen eine Veränderung von Bewegungsempfindungen erhalten.“ Es ist wohl das erste Mal, dafs die Analyse des Ergogramms und der dasselbe bedingenden Verhältnisse in so klarer und überzeugender Weise durchgeführt wurde. Ohne die Verdienste des Erfinders des Ergographen in irgend einer Weise vermindern zu wollen, wird man diese Arbeit Robert Müller’s nur mit Dank und Genugthuung lesen können. Es mag mir erlaubt sein, schon hier auf eine demnächst erscheinende umfangreiche ergo- graphische Arbeit aufmerkam zu machen, die von meinem Collegen Z. Tbeves ausgeführt wurde, dessen Anschauungen und Ergebnisse sich mannigfach mit denen des Verf.’s berühren. Kiesow (Turin). A. Binet. Houvelles recherches sur la consommation dn pain, dans ses rapports avec le travail intellectuel. Ânnce psychologique 6, 1—73. 1900. Im vierten Jahrgang der Année psychologique hatte Binet eine Statistik des Brotconsums in einigen Lehrerseminaren gegeben, aus welcher sich, wie er meinte, eine Abhängigkeit dieses Consums von der Intensität der geistigen Leistungen ergab: in den Monaten angestrengter Examensarbeit war der Consum ein geringerer. Da eingewandt wurde, dafs hier andere Factoren mit von Einflufs gewesen sein könnten, so nimmt Binet dies Mal die Untersuchung, auf einer viel specialisirteren statistischen Grund¬ lage auf und sucht sämmtliche Factoren, die Einflufs auf den Brotconsum haben könnten, gesondert zu bestimmen. ' Das Material wurde geliefert von einem Pariser Seminar mit etwa 120 Schülern, in welchem ein Jahr hindurch Tag für Tag einerseits das Gewicht des consumirten Brotes, andererseits Temperatur, Barometerdruck, Speise¬ zettel und besondere physische oder psychische Leistungen der Schüler (wie Spaziergänge und Examensarbeiten) registrirt wurde. Die Tabellen füllen allein 20 Seiten der Arbeit. Verwerthet sind die Zahlen von Januar bis Juli. Die Ergebnisse stehen in keinem Verhältnifs zur angewandten Mühe. Das Hauptresultat ist eine starke Abnahme des Consums vom Winter zum Sommer hin. Anfang Februar werden pro Tag und Kopf 800 g, Anfang Juli 700 verzehrt. Der letztere Termin bezeichnet in dem Seminar die Prüfungen; so dafs in der That der starken Steigerung der intellectuellen Arbeit zum Sommer hin eine Abnahme des Brotverbrauchs parallel läuft.