96 Literaturbericht welchem Sinne Unbewufstes zurückgehe, dafs sie naturwissenschaftlich p- ] färbt, geschichtlich fundamentirt und in sich weit stärker gespalten sei als irgend eine frühere Periode psychologischer Forschung, und stellt fest, welche Probleme abgethan, überwunden und vor Allem brennend seien; aber eine, wenn auch nur einleitende Schilderung der groben \ Züge der psychologischen Entwickelung in den letzten 50 Jahren fehlt vollständig. Vielmehr wird die Psychologie sofort zerschnitten in eine Reihe einzelner Probleme, von denen nun jedes für sich behandelt wird: Aufgaben und Methoden; das Unbewufste; Association und Reproduction; Empfindung, Gefühl, Wille ; Einheit des Bewufstseins ; der psycho-physische Parallelismus. Nun kann man ja Geschichte auch, wie Windklband um gezeigt hat, als Geschichte der Probleme behandeln, aber auch das thut Hartmann nicht. Denn der Charakter des einzelnen Capitels ist nun im Grofsen der eines Massenreferates über alles, was die Hauptpsychologen in den letzten 50 Jahren über das betreffende Problem geschrieben haben, oder noch mehr der eines Massenexcerptes ; denn Hartmann sucht sie, mit steter Angabe der Stellen, möglichst selbst reden zu lassen. So folgen sich denn in ermüdender Eintönigkeit auf einander : „ Jodl wünscht___“ „Hörr- ding lehrt . . . .“ „Stumpf meint . . .w u. s. w., ohne dafs also auch nur innerhalb der Capitels selbst irgend etwas wie ein Zusammenhang geboten würde. Und nun wiederholt sich dieses Referiren und Aufzählen Capitel für Capitel ; immer wieder begegnen uns dieselben Männer, nur mit anderen Seiten ihrer Werke, so dafs uns also in dieser Geschichte der Psychologie weder die Wissenschaft selbst, noch die Entwickelung der einzelnen Probleme, noch die Persönlichkeiten als etwas Ganzes entgegentreten. So ist denn dieser historisch-referirende Theil des Buches für den, der erst eingeführt sein will, überhaupt nicht brauchbar, denn er wird durch die unorganische Aufreihung nur verwirrt und abgeschreckt; für den aber, der schon als Fachmann in der Bewegung steht, giebt er einen ungeheuren Ballast von unverarbeitetem und zum gröfsten Theil ihm be- jj kannten Stoff, was wenig zu einer Vertiefung in das Werk anreizen kann. Noch einmal ein Referat dieser Referate zu geben, ist unmöglich and unnöthig; erwähnt sei daher nur, dafs die Darstellung sich auf die deutachen Psychologen und zwar nur auf diejenigen erstreckt, die in einer der Principienfragen etwas Eigenes gegeben haben. Dankenswerth ist, dafs man auf manche, jetzt wenig beachtete Psychologen aus der ersten Hälfte des besprochenen Zeitraums aufmerksam gemacht wird, wie George, Fokt- lage, Ulrici, J. H. Fichte, Horwicz. Dafs Hartmann seine eigene „Philo¬ sophie des Unbewufsten“ in die Liste der besprochenen Werke einreiht, ist natürlich und gerechtfertigt. Vermifst habe ich Avenabius und Mach. — Die eigentliche Bedeutung des Buches liegt, wie schon bemerkt, nach der Seite des Kritischen hin. Auch diesen kritischen Betrachtungen ist es nicht förderlich, dafs sie zum Theil in die oben genannten Referate eingestreut sind; was zu unendlichen Variationen der gleichen Themata führt. Zu diesen Einzelkritiken Stellung zu nehmen, mufs den behandelten Verfassern selbst überlassen bleiben. Wir werden uns hier dagegen vor Allem halten an die Zusammenfassungen, die am Schluff» jedes Capiteb,