Litera turbericht. 219 Gefühlswerth wieder auftauchen. Denn dessen Gröfse ist „in der Besonder¬ heit jenes Gegenständlichen an und für sich selber begründet“, und kann das Bemerken dieses Gegenständlichen bedingen. Da nun das Bemerkte wiederum in seinem Gefühlswerth steige, erkläre sich so die Annahme des Gefühlstones im Experiment Das Zuständliche sei stets eines und dasselbe, jede besondere Färbung des Gefühls erkläre sich durch die Körperempfindungen, welch© als das nur begleitende (nicht maafsgebende), aber nothwendige Gegenständ¬ liche su bezeichnen sind. So habe eine Eintheilung des Gefühls drei Momente zu berücksichtigen: nach dem zuständlichen Moment sei das Gefühl Lust—Unlust, nach dem maafsgebenden gegenständlichen 1. Gefühl, in dem nur Wahrnehmung (Kitzel), 2. in dem Wahrnehmung und Vorstellung (ästhetische Freude), 3. in dem maafsgebend nur Vorstellung ist (Reue), nach dem begleitenden gegenständlichen erwiesen sich die Gruppen ziemlich gleich. Nun beginnt ein dauerndes Operiren mit den Alles und Nichts erklärenden Körperempfindungen, welche eine Psycho¬ logie mehr bequem und systematisch als klar und richtig machen. Die Körper *E. sei aber nicht etwa die Gefühlsäufserung, sie sei und bleibe eine Leibeserscheinung, und auf dieser Grundlage wird die LANGE’sche Theorie theils bestätigt, theils bekämpft. Aus den drei oben bezeichneten Eintheilungsprincipien wird nun das g68ammte Gemüth construirt, kurz so: „Gefühl“ enthält Lust—Unlust und daneben das Gegenständliche theils als Maafsgebendes, theils als Be¬ gleitendes, mit dem Maafsgebenden noth wendig Verknüpftes, Körper-E. Stimmung hat neben Lust—Unlust zum „maafsgebenden“ Gegenständ¬ lichen nur Wahrnehmung (Körper-E.), zum „begleitenden“ nur Vorstellung. -Affect“ (wobei eine gute Polemik gegen Kant folgt) ist ein „Gefühl“, dessen Besonderheit darin besteht, dafs sein „begleitendes“ Gegenständ¬ liches und damit schon auch sein zuständliches Moment eine grofse In¬ tensität auf weist. „Gemüth“ ist demnach zu bestimmen als die theils im Bewufstseinsindividuum, theils in dessen Leibe gegebene besondere Be¬ dingung für das Auftreten bestimmter Gemüthszustände des Individuums.“ So endet das Buch auch, wie es trotz des grofsen logischen, fast scholasti¬ schen Scharfsinnes, durchgeführt ist, mit einer Allgemeinheit, die dem forschenden Psychologen völlig den Dienst versagt, wo er in das concrete Seelenleben den Blick richtet, Brahn (Leipzig). Alfred Lbumank. Die körperlichen Aeu(gerungen psychischer Zustände. Erster Theil : Plethysmographische Untersuchungen. Nebst einem Atlas von 68 in Zink geätzten Tafeln. Uebersetzt von F. Bkndixen. Leipzig, Reis¬ land, 1899. 218 S. Um die körperlichen Aeufserungen von Lust und Unlust verstehen zu lernen, sieht sich Lehmann auch zur Untersuchung von Aufmerksamkeit Spannung, Schläfrigkeit, Narkose, Hypnose in ihrem körperlichen Ausdruck gedrängt. Neben sehr vielen Plethysmogrammen werden zahlreiche Pneumo-, einige Sphygmogramme aufgenommen. Der neue Plethysmograph