Zur Kenntniss der psychophysischen Methoden. Von Prof. Emil Kraepelin in Dorpat. Die psychophysischen Maßmethoden sind bekanntlich ebenso¬ wenig wie das Lehrgebäude der Psychophysik überhaupt das Er¬ gebnis einer speculativen Construction, sondern sie verdanken ihre Entstehung praktischen Einzelaufgaben, in deren Lösung sie sich längst bewährt hatten, bevor ihre Brauchbarkeit zur Gewinnung von Beziehungen zwischen Beiz und Empfindung klar erkannt wurde. Es erscheint daher begreiflich, dass diese Methoden, welche durch Jahrzehnte hindurch fast unverändert gebliehen sind, einander ge¬ wissermaßen selbständig und unabhängig gegenüber stehen, während doch die Einfachheit des gemeinsamen Untersuchungsobjectes einen nahen inneren Zusammenhang zwischen den verschiedenen Betrach¬ tungsarten desselben wahrscheinlich macht. Unter diesem Gesichts¬ punkte ist es vielleicht nützlich, von dem heute gewonnenen Stand¬ punkte aus rückschauend jene allgemeinen Grundsätze aufzusuchen, welche für die psychophysische Messung überall in Frage kommen und welchen wir daher in den einzelnen praktischen Gestaltungen der Maßmethoden wieder begegnen müssen. Wundt1) hat die herkömmlichen psychophysischen Methoden in Abstufungs- und Fehlermethoden unterschieden. Zu den ersteren rechnet er seine Methode der Minimaländerungen, Methode der eben- j merklichen Unterschiede (Fechner), Methode der kleinsten Unter- 1) Philos. Studien I, 4, S. 556. Wnnat, Philos. Stnâien. VI. 33