268 Literaturbericht Die Vertheilung der Temperaturpunkte, wie sie der Verf. an ver¬ schiedenen Körpertheilen an sich selbst und einem intelligenten 9 jährigen Kinde fand, ist in einer w’erthvollen Tabelle zusammengestellt. Kiesow (Turin). L. Heine. Sehschärfe and Tiefenwahrnehmung. v. Graefe's Arch. f. Ophthalm. 51 (1), 146-173. 1900. — Ueber Orthoskopie oder fiber die Abhängigkeit relativer Eatfen&iiags- schätsnngen von der Vorstellung absoluter Entfernung. Ebenda 51, 563—572. H. hat die Beziehungen der beiden Functionen, der Sehschärfe und des Tiefenwahrnehmungsvermögens einer eingehenden Untersuchung unter¬ worfen. Während die Sehschärfe, welche wiederum von dem Wahr¬ nehmungsvermögen für die seitliche Lageverschiedenheit (Hebikg) zu trennen ist, monocular bestimmbar ist, stellt die feinere Tiefen Wahr¬ nehmung den vollkommensten Grad binocularen Sehens dar. Indem Verf. von der HEKiNo’schen Erklärung binocularer Tief en Wahrnehmung auf Grund der Disparation der Netzhautbilder ausgeht, bestimmt er die kleinste „bin- oculare Querdisparation“ (Tiefenwahrnehmung) durch drei in einer frontalen Ebene stehende Stäbe, deren mittlerer sagittal verschieblich ist und so die Messung der kleinsten noch wahrnehmbaren Entfernungsdifferenz gestattet Es ergab sich, dafs bei normaler Sehschärfe und gleicher Refraction auf beiden Augen Entfernungsunterschiede, die einer Querdisparation der Netz¬ hautbilder von 1 (i entsprechen (d. h. bei Prüfung in 5 m eine Verschiebung von 25 mm. nach vorn oder hinten vom Nullpunkt) erkannt werden. Durch ungleichen Refractionszustand beider Augen, sowie verminderte Sehschärfe kann dieses Maafs ebenso eine Vergröfserung wie durch Steigerung der Sehschärfe eine Verminderung erfahren. Dieses Resultat beruht auf einer Untersuchungsmethode, bei welcher das Wahrnehmungsvermögen von Ent¬ fernungsdifferenzen verticaler Contouren (differente Bilder auf verticalen Netzhautmeridianen) bei ruhendem Blick geprüft wird, da Entfernungs¬ differenzen horizontaler Contouren ohne Bewegungen der Augen nicht er¬ kannt werden können. H. wies nach, dafs auch bei einer Uebereinander- stellung der Augen durch geeignete prismatische Anordnung die Differenz der Bilder in den horizontalen Meridianen das Erkennen von Entfemungs- differenzen horizontaler Contouren nicht zu Stande kommen läfst, jenes Vermögen also auf die verticalen Meridiane beschränkt ist. Zur Erklärung der Feinheit der Tiefenwahrnehmung nimmt H. eine nervöse Doppeltver¬ sorgung der Macula lutea an, die durch centrale Commissuren bedingt, die Verschmelzung der zwei differenten Bilder beider Augen zu Einem Bilde ermöglicht. Schematische Zeichnungen dienen zur Veranschaulichung dieser theoretisch postulirten centralen Verbindung. In einer zweiten Abhandlung hat Verf., einer Anregung Hering’s folgend, die binoculare Tiefenwahrnehmung als solche untersucht, wie weit wir im Stande sind, ausschliefslich auf Grund dieser das Verhältnifs der Tiefendiinen8ionen eines Gegenstandes zu seinen übrigen Dimensionen richtig (orthoskopisch) zu sehen. Da mit der Entfernung eines Gegen¬ standes die Incongruenz seiner Netzhautbilder geringer wird, nehmen auch