144 Literaturbericht. „Abendarbeiter“) : Ein reichliches Frühstück, eine halbe Stnnde vor Beginn der Arbeit eingenommen, steigert die Leistungsfähigkeit um 20 bis 30°/# und hat nicht, wie es bei der Mittagsmahlzeit beobachtet wird, zunächst eine Herabsetzung der Leistung zur Folge. Das zweite lautet : Die Uebung wird durch die wechselnden Versuchsverhältnisse nicht beeinflufst. Pfandes (München). L. Duqas. La perte de la mémoire et la perte de la conscience. Rev. phüos. 48 (7), 43—57. 1899. Erinnerungsvorstellungen können materiell verloren gehen, oder es kann nur das Wiedererkennen ausbleiben, d. h. das Gefühl des Vertraut- seins. Im ersteren Fall handelt es sich nach D. um einen Krankheits- procefs, dessen Umsichgreifen und allmählicher Heilung man folgen kann, im letzteren um eine plötzlich auftretende und ebenso verschwindende Krise. D. analysirt einen Fall letzterer Art von Amnesie, wo die Vor¬ stellungen vergangener Erlebnisse wohl aus Analogieschlüssen materiell gewonnen werden, ihnen aber jede Vertrautheit mangelt. Das materielle Ausbleiben einer Erinnerungsvorstellung sei von keiner eigentlichen Ge- müth8erregung, höchstens von einem Gefühl der Stumpfheit begleitet, das Ausbleiben des Wiedererkennens dagegen von schwerem Mifsbehagen. Sinnesempfindungen können ebenfalls entweder materiell verloren gehen, oder es fehlt nur ein sie gemeinhin begleitendes Ich-Gefühl. Dieser letztere Zustand findet sich im ersten Stadium des Wiedererwachens aus einer Ohnmacht und D. beschreibt ihn im Anschluss an die Schilderungen, welche gelegentlich Montaigne und Rousseau von solchen Erlebnissen ge¬ geben haben. An die ersten unpersönlichen Empfindungen reihen sich rein materielle Erinnerungsvorstellungen an und führen zu einem zusammen¬ hangslosen, „kaleidoskopartigen“ Bewusstseinsinhalt. Erst wenn sich den Sinnesempfindungen das Ich-Gefühl zugesellt hat, werden auch die Er- innerungsvorstellungen wiedererkannt und führen zu einem Verständnifs der Situation. Analog verhält es sich mit der Wiederaufnahme der Bewegungen: erst unwillkürliche, gewohnheitsmäfsige (aber doch mehr als Reflexhand¬ lungen), dann erst Willenshandlungen. So übt nach D. der Grundbewufstseinszustand eines Moments, der einem allgemeinen des gesammten Organismus entspricht, seinen Einfluüs auf alle Functionen aus, was mit Renouvier als „Unlöslichkeit der mensch¬ lichen Functionen“ bezeichnet werden kann. Daraus resultirt dann die Schwierigkeit und der künstliche Charakter psychologischer Analyse, aber doch auch die Möglichkeit von Analogie¬ schlüssen. Dann mufs man sich also in jedem Fall Rechenschaft über das Ich-Gefühl geben, in dem sich alle Bewulstseinsthatbestände treffen ; es ist nicht nur eine Resultante, sondern ein Princip. Ettlingeb (München).