Literaturbericht. 261 erhebliche Sehstörungen, dagegen eine erhebliche des optischen Reflexes ergab, so kann dies nicht auf eine Hemmung optischer Centren, also auch nicht corticaler optischer Centren beruhen. Aus mehreren experi¬ mentellen Thatsachen geht hervor, dafs auch die motorische Hirn¬ rinde nicht der Angriffspunkt sein kann. Somit bleibt das subcorti¬ cale motorische Centrum als das einzige Organ übrig, welches für die Hemmung des optischen Reflexes verantwortlich gemacht werden kann. An der Hand dieser Annahme lassen sich die gemachten Beobachtungen er¬ klären: nach Verletzung der Stelle AI sind Sehstörungen vorhanden, das Verhalten des optischen Reflexes hingegen variirt. Die Differenz der Er¬ scheinungen wird dadurch bedingt, dafs der Reiz von AI ausgehend zu¬ nächst das subcorticale optische Centrum trifft, in ihm aber eine mehr oder minder starke „Schranke“ findet, bis er das subcorticale motorische Centrum beeinflussen kann. — Reize vom Gyrus sigmoideus aus treffen zunächst auf das subcorticale motorische Centrum, dies setzt eine mächtigere „Schranke“ als das subcorticale optische Centrum, so dafs der optische Reflex ausbleibt, die Hemmnng des Sehactes aber gering bleibt. Für die Erklärung der Erscheinungen bei combinirten Operationen, nach denen eine secundäre Hemmung des Sehactes ausbleibt, leistet die Aufstellung subcorticaler Centren folgendes: Giebt man zu, dafs Läsionen von AI und des Gyrus sigmoideus die subcorticalen optischen und motori¬ schen Centren beeinflussen, so mufs auch — nach der Ansicht des Verf. — angegeben werden, dafs durch jene Eingriffe in die Rinde Veränderungen in den subcorticalen Centren hervorgebracht werden, vielleicht auf Basis «eeundärer Degenerationen. Diese Veränderungen dehnen sich in jedem Falle von dem einen subcorticalen Centrum auf das andere aus, so dafs später in umgekehrter Leitungsrichtung projicirte Reize ihre Wirksamkeit auf die subcorticalen Angriffspunkte einbüfsen. [Verf. giebt selbst zu, dafs diese Erklärung der neu aufgefundenen Thatsachen noch manche Fragen herausfordert. Dem Ref. erscheint vor Allem jene Annahme von degenerirten Verbindungsbahnen zwischen sub- corticalem motorischen und optischem Centrum noch sehr der Aufklärung bedürftig. Sollten wirklich nach Eingriffen in der Rinde Degenerationen in jenen Verbindungsbahnen der erwähnten Centren sich einstellen, so müfsten derartige Degenerationen auch den optischen Reflex für immer unmöglich machen, da derselbe doch nothwendig vom optischen Centrum auf das motorische Centrum überzugehen hat. Hitzig erwähnt aber das Verhalten eines Hundes, der nach Verletzung der Stelle AI zwar hochgradige Seh¬ störungen, niemals aber Aufhebung des optischen Reflexes zeigte.] Mebzbacher (Strafsburg i. E.), En. Hitzig. Bnghlings Jackson and die motorischen Rindencentren im Uchte physiologischer Forschung. Gelesen in der Neurological Society of London den 29. November 1900. Berlin, Aug. Hirschwald, 1901. 39 S. - Inghlings Jackson and the Cortical Motor Centres in the Light of Physiological Research. Brain *23 (92), 545—581. 1900. Nach einer Würdigung der Verdienste Jackson’s, der die nach ihm be¬ nannten corticalen Krämpfe zuerst zutreffend gedeutet und ihre Lage un-