Beitrag zur Lehre vom Simultankontrast. 27 erscheint, weil die korrespondierende Hetzhautstelle des rechten Auges blaues Licht empfängt, daher eine binokulare Mischung der linksseitigen grauen mit der rechtsseitigen blauen Empfindung eintrete, und dafs das so entstandene Blaugrau im Kontrast zu dem umgebenden Violett des Grundes blaugrün erscheine, wie dies bei einem binokular gesehenen blaugrauen Felde auf vio¬ lettem Grunde Vorkommen könnte. Ebenso könnte man meinen, dafs das kleine graue Feld des rechten Auges deshalb nicht grüngelb, sondern gelb erscheine, weil eine binokulare Mischung der grauen Empfindung des rechten mit der roten des linken stattgefunden habe. Es läfst sich aber sehr leicht experimentell darthun, dafs diese Auffassung irrig wäre. Zu diesem Zwecke ersetzt man zunächst das blaue Glas durch ein dem andern Glase ganz gleiches rotes und wieder¬ holt den Versuch. Man sieht dann beide Bilder des schwarzen Streifens blaugrün. Schliefst man ein Auge, nachdem man die Streifen eben noch deutlich blaugrün gesehen hat, -so ist eine Änderung an dem Streifenbilde des offnen Auges kaum oder gar nicht zu bemerken, sofern nur die Konturen des Streifen¬ bilds scharf sind. Das Bot auf der korrespondierenden Stelle des andern Auges kommt also hier gar nicht zur Geltung ; sonst müfste ja, wenn beide Augen offen sind, jeder Streifen etwa grau, und nur bei Schlufs des einen Auges blaugrün erscheinen. Jedes Streifenbild erscheint aber, wenn beide Augen offen sind, kaum merklich weniger grün, als bei Schlufs des einen Auges. Hat man sich so überzeugt, dafs das Bot,im einen Auge nicht im stände ist, das an der korrespondierenden Stelle des andern Auges durch Simultankontrast entstandene Grün auszutilgen, so macht man den analogen Versuch mit zwei blauen Gläsern, um sich ebenso zu überzeugen, dafs das subjektive Gelb des einen Auges nicht durch das, die korrespondierende Stelle des andern Auges beleuchtende blaue Licht vernichtet werden kann. Dies alles ist nach den Gesetzen der binokularen Farben¬ mischung und des sogenannten Überwiegens der Konturen und kleiner von scharfen Konturen umgebener Felder nicht anders zu erwarten. So oft ein kleines, sich hinreichend scharf von andersfarbigem Grunde absetzendes Feld, das nur einem Auge sichtbar ist, mit einem Teil des ganz gleichmäfsigen anders¬ farbigen Grundes, der sich im andern Auge abbildet, zu bino¬ kularer Deckung gebracht wird, empfängt es von der Farbe