24 Ewald Hering. Felder in eine solche Lage, dafs sie nicht mehr binokular ver¬ schmolzen werden können, sondern auf dem in der weifslich- violetten Mischfarbe erscheinenden Grunde in geringem gegen¬ seitigen Abstande nebeneinander gesehen werden, so ist ihre Farbe nicht, wie nach jener Theorie wohl erwartet werden könnte, grünlich-gelblich, sondern die beiden Felder erscheinen sehr auffallend verschieden gefärbt, nämlich das linke bläulich¬ grün,1 das rechte gelb, und zwar bei passender Wahl der Farben des Grundes und der Helligkeit der grauen Felder sogar gesät¬ tigter, als die Mischfarbe des Grundes : Beweis, dafs hier nicht die Farbe des Grundes, wie man sie eben sieht, das Bestimmende für die Art der Kontrastfarbe ist, sondern die Beschaffenheit jedes der beiden Lichter, von denen die beiden Augen erregt werden. Das linke Auge empfängt ein gelblich-rotes Licht, und das ihm angehörige Bild des kleinen farblosen Feldes er¬ scheint deshalb trotz der violetten Farbe des Grundes blaugrün, das andre Auge empfängt blaues Licht, und das ihm zugehörige Bild des grauen Feldes erscheint deshalb gelb, also ebenfalls nicht gelbgrün, wie es das Violett des Grundes nach der psy¬ chologischen Theorie erwarten liefs. Der Versuch hat, zweck- mäfsig angestellt, ein ganz sicheres und eindringliches Ergebnis, sofern nur irgend die binokulare Mischung des Rot und Blau zu Violett zu stände kommt, was nicht leicht ausbleiben kann, wenn hinreichend weifsliche Farben benutzt werden. Selbst¬ verständlich kann man statt des Rot und Blau beliebige andre Farbenpaare (auch komplementäre) wählen. Die folgende, in Fig. 1 schematisch dargestellte Anordnung des Versuches erwies sich mir schliefslich als die zweckmäfsigste, besonders für Anfänger: Eine rote (R) und eine blaue ÇB) Glas¬ tafel von möglichst grofser Reinheit und ebenen Oberflächen, deren jede um eine horizontale Achse drehbar ist, werden mittels eines Trägers in solcher Lage über einer Tischfläche gehalten, dafs sie gleich den beiden Flächen eines Daches nach oben konvergieren, ohne sich jedoch mit ihren oberen parallel he¬ genden Rändern zu berühren; vielmehr müssen die letzteren 1 Angenommen nämlich, dafs die für das linke Auge gewählte Farbe vom Tone des spektralen Eot ist, welches nicht rein rot, sondern gelblich¬ rot ist. Die Herstellung rein roter Farben ist meist umständlich, während rote Papiere und Gläser vom Tone des spektralen Eot sehr gewöhn¬ lich sind.