Litteraturbericht. 385 somniante, können wir das bekannte Wort variieren, quod non prius fuerit in vigilante. Objektiv liegt eben docb eine Gedächtnisleistung vor. Wozu also solche Kämpfe um das Wort, wo man über die Sache eins ist? Im dritten Kapitel (Assimilation or Association not Recognition) wendet sich Verfasser abermals gegen Höffdings Erklärung des Er- kennens oder Wiedererkennens, zwei Vorgänge, die, nebenbei bemerkt, nur quantitativ, nicht, wie Verfasser zu meinen scheint, qualitativ verschieden sind. Alsdann kehrt er sich aber auch gegen diejenigen, welche wie Lehmann, Waed und der Referent die Bekanntheitsqualität aus dem Herein wirken unter der Schwelle bleibender Nebenvorstellungen (Er¬ innerungen an begleitende Nebenumstände) erklären. So wenig Ver¬ fasser aber die erste Ansicht zwingend widerlegt, so wenig oder noch weniger widerlegt er die zweite, macht uns aber umso neugieriger auf seine eigene Erklärung. Wie erstaunt man indes, wenn man endlich vernimmt, »die hervorgebrachte Änderung besteht in der gröfseren Leichtigkeit der Koordination in denjenigen Zentren, welche notwendig bei jeder Vorstellungsthätigkeit in Wirksamkeit sind (The change wrought is the greater facility of coordination in the centres necessarily involved in each presentation). Vorausgesetzt, dafs wir hier den Kernpunkt der diesbezüglichen Ausführungen des Verfassers getroffen haben, was bei der Unübersichtlichkeit derselben keine kleine Kunst ist, so können hierauf die Höffdingianee mit Gretchen schmunzelnd sagen: „Un¬ gefähr sagt das der Pfarrer auch, nur mit ein bischen anderen Worten.“ Wozu also der Lärm? Wir wollen dem Verfasser nicht weiter auf seinen keineswegs immer hellen Wegen folgen, möchten ihn aber bitten, künftighin seine Ge¬ danken erst vollständig ausreifen und zu einem organischen Ganzen zusammenwachsen zu lassen, ehe er sie weiteren Kreisen mitteilt. M. Offnes (München). Heney Stuet. Conscience. Mind. N. S. Vol. V. No. 19. S. 343—353. 1896 Nach einer alten Lehre gelte das Gewissen als „innere Stimme“ dem Dämon des Sokrates vergleichbar, der warnend und beratend uns zur Seite stehe. Diese Theorie habe sich in neuerer Zeit überlebt, man orkenne heute an, dafs das führende Prinzip beim ethischen Urteil ein Teil der Persönlichkeit selber sei, keine isolierte Wesenheit. Das ethische Urteil erfolge nach einer Art von Instinkt, nicht nach abstrakten Maximen und ethischen Formeln. Dieser Instinkt bilde in uns einen permanenten ethischen Faktor, der darin bestehe, dafs wir ein geistiges Bild von uns vor Augen haben, dem gleichzukommen wir bestrebt sind; als diese, d.em geistigen Bilde von uns entsprechende Persönlichkeit wollen wir .auch vor der Mitwelt gelten. Das Gegenstück dieses moralischen Ideals ist auf körperlichem Gebiete die Sorge für unsere persönliche Erschei¬ nung. Dieses moralische Ideal ist kein absolutes Ideal an sich, es ist nur der Ausdruck unseres persönlichen Wunsches. So enthalte das Ideal manches „Wilden“ auch die Eigenschaften des Diebes und Mörders, das 25 Zeitschrift für Psychologie XIII.